Frederick Lau: „Erfolgserlebnisse kann man sich selbst schenken.“
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BerlinWas er ist und macht, ist und macht er mit Leidenschaft. Frederick Lau ist Berliner, Vater, Schauspieler – und all das mit größter Lust. Der 30-Jährige wurde schon mit einem Grimme-Preis und zwei Lolas ausgezeichnet. In der erst zweiten deutschen Netflix-Eigenproduktion „Betonrausch“ ist Lau ab diesem Freitag weltweit als Schlitzohr zu sehen, der mit Kumpel Viktor (David Kross) Immobilien im ganz großen Stil vertickert und den Berliner Immobilienmarkt auf den Kopf stellt. Und diese haarsträubende Story ist nicht mal erfunden! Trotz Corona-Krise konnten wir mit „Freddie“ Lau ein Interview führen. Natürlich mit gebührendem Abstand.

Freddie, wie geht es Ihnen derzeit?

Ganz gut! Unser Dreh in Köln pausiert auch erst einmal, was vernünftig und richtig ist. Daher habe ich jetzt frei und bespaße meine drei Kinder.

Erreicht es Sie, dass viele in der Corona-Krise mit Existenzproblemen konfrontiert sind?

Natürlich. Meine Mutter hat ihren Antiquitätenladen auch zugemacht. Das Leben ist derzeit für keinen einfach. Man denkt nach, was man in den nächsten Jahren noch anstellen will … Wir können uns ja nicht aufgeben!

Worauf richtet sich Ihre Hoffnung?

Dass die Musiker, Schauspieler, alle Kreativen sich auf sich selbst besinnen. Und dass ganz viele großartige Projekte entstehen, weil man derzeit Muße hat und die Kreativität tobt. Ich hoffe, dass gerade jetzt ein paar richtig geile Geschichten geschrieben werden!

Was hat Sie denn an der Story von „Betonrausch“ gereizt?

Na, diese wahre Geschichte zu erzählen, die eigentlich total absurd ist. Meine Figur Gerry träumt vom großen Geld, er hat keine Lust mehr, mit den kleinen Fischen herumzuschwimmen. Außerdem liebt er das Spiel mit dem Risiko. Ich selbst bin nicht aufs große Geld aus, aber ich verstehe, dass er sich für seine Familie ein besseres Leben wünscht.

Können Sie den Reiz am Besitz von Immobilien nachvollziehen?

Sehr gut sogar. Das hat doch jeder zum Ziel, ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben.

Das süße Ganovenleben in „Betonrausch“: Frederick Lau als Gerry Falkland (l.) mit David Kross als Viktor Stein und Janina Uhse als Bankkauffrau Nicole Kleber
Foto: dpa/Neflix

Was ist Ihr kostbarster Besitz?

Meine Familie, ganz klar. Materiell? Ich habe ein schönes Haus, ein schönes Auto, eine schöne Uhr – da erfreue ich mich auch dran.

Von wem haben Sie den Umgang mit Geld erlernt?

Von meinen Eltern, vor allem, wenn ich als Kind mit war auf Floh- und Antikmärkten. Sie führten ja einen Antiquitätenladen. Wenn ich mal einen großen Wunsch hatte, musste ich mir das Geld selbst ersparen. Ich bin aber kein Finanzgenie! Dafür ist bei uns meine Frau zuständig.

Wie wichtig sind Ihnen Freundschaften?

Ich bin einer der loyalsten Menschen, die ich kenne. Ich lasse nichts auf meine Freunde kommen. Niemals würde ich ein schlechtes Wort über sie verlieren. Wenn ich mich für jemanden entschieden habe, wenn ich jemanden einen Freund nenne, dann unterstütze ich ihn so gut ich kann. Ich bin treu. Ja, treu.

Zur Person

Frederick Lau wuchs in Berlin-Steglitz auf und lebt noch heute dort. Seit September 2013 ist er mit Annika Kipp liiert; 2015 heiratete das Paar. Die beiden haben drei Kinder.

Den Durchbruch als Schauspieler ebnete dem ehemaligen Berliner Judomeister die Rolle des durchsetzungsschwachen Schülers Tim in Dennis Gansels Literaturverfilmung „Die Welle“. Für diese Leistung erhielt er den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller.

Eng befreundet ist Lau mit seinem Schauspielerkollegen Kida Khodr Ramadan. Gemeinsam produzieren sie auch „Roccos Reise“, bei dem Lau die Regie führt. Der Film soll noch in diesem Jahr bei Pantaflix erscheinen, dem Streaming-Angebot von Matthias Schweighöfer.

Das klingt fast wie ein Ehegelübde.

Für mich ist das auch fast das Gleiche. Freunde gehören bei mir zur Familie. Es ist so wichtig, dass man zueinandersteht, dass man Rückendeckung gibt und sich gegenseitig aufrichtet. Ich möchte ja, dass es meinen Freunden und meiner Familie gut geht.

Der Hintergrund meiner Frage ist, dass Sie ein Buch über Männerfreundschaften geschrieben haben: „Zusammen sind wir Könige“.

Ja, mit dem Kollegen und Freund Kida Ramadan. Es war ein absurder Gedanke – und ich liebe es, absurde Sachen zu machen. In einem Interview kam mal die Frage auf, ob wir nicht über Männerfreundschaften schreiben wollen. Ich habe erst gedacht: „Wen interessiert denn das?“ Kida dachte: „Warum sollte es die Leute nicht interessieren?“

Sie entscheiden also gern aus dem Bauch raus?

Ich finde es wichtig, im Leben nicht immer einen Plan zu haben, sondern auch mal Dinge auszuprobieren. Kida und ich drehen jetzt einen Film zusammen, bei dem ich Regie führe. Keine Ahnung, wie – ich mach’s einfach. Ich glaube, Fassbinder ist auch nicht anders an die Sache rangegangen.

Was drehen Sie beide?

Kida hat eines Abends angerufen, als ich mit meinen Kindern noch einen späten Spaziergang gemacht habe. Das mache ich übrigens sehr gerne, Nachtspaziergänge. Jedenfalls hat er mich auf eine Idee angesprochen, die ich mal hatte. Und sofort war klar, dass wir das zusammen probieren. Eine Woche später ging’s schon los, mit einem iPhone als Kamera. Manche Dinge muss man einfach in die Hand nehmen, dann funktioniert’s auch irgendwie.

Viele Schauspieler machen um ihr Regiedebüt ein großes Tamtam. Aber Sie lassen sich gar nicht unter Druck setzen?

Nee, überhaupt nicht! Dinge kommen, wie sie kommen. Qualität entsteht nicht durch Druck. Wenn man seiner Passion nachgeht, passieren wunderbare Dinge. Daran glaube ich ganz fest. Mein Vater hat zu mir immer gesagt: „Enttäusch’ die Menschen nicht!“ Darum: Wenn ich eine Chance bekomme, dann nutze ich sie auch. Und wenn ich etwas mit Leidenschaft mache, dann verändert diese Sache auch mich. Das wird zu einer Schleife: Man gibt alles, dadurch wird man besser – und kann noch mehr geben. Erfolgserlebnisse kann man sich selbst schenken.

Ist Ihnen denn gleichgültig, ob Ihr Film, er soll „Roccos Reise“ heißen, groß rauskommt oder an der Kinokasse Erfolg hat?

Am liebsten würde ich ihn nur auf kleinen Filmfesten zeigen. Es geht mir nicht darum, dass jeder Mensch in Deutschland ihn sieht. Aber schön fände ich es, wenn ein paar Leute in China zufällig den Film auf einem Festival sehen würden.

Warum?

Für mich ist ein Film eine Reise, auch jede Rolle ist eine Reise. Deshalb wäre es passend, mit dem fertigen Film auch auf die Reise zu gehen und ihn an verschiedenen Orten der Welt zu zeigen. Filme durch die Augen von Menschen verschiedenster Kulturen zu sehen, ist irre spannend.

Sie führen nicht nur Regie, sondern stehen auch vor der Kamera.

Das war meine Idee, ich dachte mir: „Scheiß drauf, das spiele ich jetzt!“ (lacht) Aber bei der nächsten Regie werde ich mich nur darauf konzentrieren und auf keinen Fall selbst mitspielen. Ich glaube auch nicht, dass man sich zu schauspielerischen Höchstleistungen pushen kann, wenn man selbst der Regisseur ist.

Sie sind im letzten Sommer 30 geworden. War das ein Wendepunkt?

Das Lebensjahr ist ja noch nicht zu Ende. Aber ich glaube, dass ich mir mit der Zeit etwas andere Ziele setze. Vielleicht werde ich schon etwas klarer. Die eigene Kindlichkeit verabschiedet sich, das merke ich. Aber das liegt wohl daran, dass ich jetzt selbst Kinder habe.

30 Jahre klingt zumindest so erwachsen.

Mit dem Wort „erwachsen“ kann ich nichts anfangen. Zumindest wachse ich. Ich entwickele mich.

Sie sind seit fünf Jahren verheiratet. Wie haben Sie Ihre Traumfrau von sich überzeugt?

Wenn man jemanden fantastisch findet, dann sollte man auch für sie kämpfen. Scheinbar hatte ich genug Charme …

Frederick Lau und seine Frau, die Radio- und Fernsehmoderatorin Annika Kipp.
Foto: dpa/Jörg Carstensen

Was betrachten Sie als beste Entscheidung Ihres Lebens?

Definitiv meine drei Kinder und meine Frau … Ich freue mich auch sehr über meine Stadt. (lacht)

Was wären Sie ohne Berlin?

Das würde nicht gehen, nein! Ich habe schon einiges gesehen, aber Berlin ist einfach die schönste Stadt. Ich liebe meine Stadt so sehr! Ich bin durch und durch Berliner.