Ankara - Kritische ausländische Journalisten sind dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan seit den Gezi-Protesten ein Dorn im Auge. Im Vorfeld der Präsidentenwahlen im August wird der Ton des Regierungschefs gegen die westlichen Medien derzeit täglich aggressiver, und ausländische Korrespondenten bekommen das zu spüren. Am Sonnabend, dem ersten Gezi-Jahrestag, wurde der CNN-Fernsehreporter Ivan Watson während einer Livesendung vom zentralen Taksim-Platz von Polizisten gezielt unterbrochen, getreten und für eine halbe Stunde mit seinem Team festgenommen.

Erdogan rechtfertigte das Vorgehen der Polizei am Dienstag ausdrücklich, nannte den Reporter einen „Speichellecker“ und machte deutlich, dass der Angriff gezielt erfolgte. Die CNN-Berichterstattung habe mit „freier, unparteiischer, unabhängiger Presse“ nichts zu tun, sagte er. Der „internationale CNN-Lakai“ habe schon während der Gezi-Ereignisse im vergangenen Jahr acht Stunden live vom Taksim-Platz gesendet. „Warum? Um Ärger in meinem Land zu erzeugen. Aber dieses Jahr haben wir sie auf frischer Tat ertappt.“ Erdogan bezeichnete das CNN-Team als „Agenten“ einer nicht näher bezeichneten ausländischen Macht, mit der er vermutlich den in den USA lebenden Islamprediger Fethullah Gülen meinte.

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