Der Brecht-Forscher und Theaterkritiker Ernst Schumacher ist am Donnerstag im Alter von 90 Jahren nach langer, schwerer Krankheit zu Hause gestorben, so die Witwe Renate Schumacher. Ernst Schumacher, langjähriger, einflussreicher Kritiker der Berliner Zeitung, ist am 2. September 1921 in dem oberbayerischen Dorf Urspring am Lech, in einem katholisch geprägten, bäuerlich einfachen Elternhaus geboren. Als Zwanzigjähriger nahm er am faschistischen Überfall auf die Sowjetunion teil und wurde nach einer Verwundung ausgemustert.

Nach diesen prägenden Erlebnissen wurde Schumacher publizistisch in der kommunistischen Friedensbewegung aktiv und kam in Untersuchungshaft. Noch während des Krieges studierte er in München Germanistik, Altphilologie und Kunstwissenschaften. 1953 promovierte er in Leipzig bei Hans Mayer und Ernst Bloch über die frühen Stücke Brechts, zu dem er in engem Kontakt stand. Nach dem Mauerbau zog er in die DDR, habilitierte in Leipzig und hatte von 1969 bis 1986 den Lehrstuhl Theorie der darstellenden Künste am Institut für Theaterwissenschaft der Humboldt-Universität inne, zu seinen Studenten gehörte Frank Castorf.

Parallel reüssierte er in der Berliner Zeitung, deren Autor er über vier Jahrzehnte blieb, zu einer theaterkritischen Instanz und forderte von den Künstlern immer auch politische und gesellschaftliche Relevanz ein. Auch nach dem Mauerfall behielt Schumacher seinen Valentin’schen Humor, mischte mit analytischer Schärfe und Angriffslust in den politischen Debatten mit und betrieb mit Sorgfalt die Veröffentlichung seiner Brecht-Erinnerungen, Schriften und Tagebücher. (fr)