Europa hat nach Ansicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nur als Wertegemeinschaft eine Zukunft. „Denn nur so weckt die europäische Idee jenen Enthusiasmus, der Europa vor einem Rückfall in Abschottung, Gewalt und Unfreiheit bewahren kann“, sagte Grütters am Montag anlässlich der Eröffnung des Europäischen Kulturerbejahres in Deutschland. Die Frage danach, was uns ausmacht als Europäerinnen und Europäer, sei heute „drängender denn je angesichts der vielerorts zu beobachtenden Erosion der europäischen Einigung“. Das Europäische Kulturerbejahr sei eine Chance, über gemeinsame Wurzeln und Werte „der Seele Europas nachzuspüren“.

„Deshalb wollen wir vor allem junge Menschen in Europa dazu bewegen, unsere Geschichte zu ergründen und zu erfahren, was wir Europäerinnen und Europäer inzwischen geschafft haben: das Gemeinsame über das Trennende zu stellen sowie unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Traditionen und Träumen, Lebensentwürfen und Weltanschauungen eine Heimat zu bieten“, sagte Grütters. Genau diese Offenheit für Vielfalt sei es, die Europas Wertegemeinschaft im Kern ausmacht: „Sie ist Ausdruck von Humanität.“

Bauliches und archäologisches Erbe als Schwerpunkt

Staatsministerin Grütters sagte dies auch unter dem Eindruck ihres Besuches des Mahnmals St. Nikolai, das sie im Vorfeld der Auftaktveranstaltung am Montag im Hamburger Rathaus besichtigen wollte. Als zentraler Erinnerungsort ist das bedeutende Kulturdenkmal den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 gewidmet. Mit dem Europäischen Kulturerbejahr rücken die EU-Mitgliedsstaaten das gemeinsame europäische Kulturerbe mit einer Vielzahl an Veranstaltungen, Projekten und Initiativen in den Fokus der Öffentlichkeit. Schwerpunkt in Deutschland ist dabei das bauliche und archäologische Erbe.

Einen Überblick über die bislang 130 geplanten Projekte und Veranstaltungen bietet die Internetplattform www.sharingheritage.de. In Berlin wird es in den nächsten beiden Jahren unter anderem um das Thema Wolle gehen, um die städtische Industriekultur, um Kernkraftwerke, den Flughafen Tempelhof, den Modernen Tanz, Frauen im Exil oder natürlich die Berliner Mauer. Aus dem Etat der Kulturstaatsministerin werden bundesweit 38 Projekte und Initiativen mit insgesamt 7,2 Millionen Euro unterstützt. (dpa/BLZ)