Berlin - Eins ist mal sicher: Keine andere deutsche Bibliothek hat einen derart monumentalen Auftritt wie nun wieder die Berliner Alte Staatsbibliothek: Durch die offene Vorhalle an der Straße Unter den Linden hindurch passiert man in straffer Linie den grünen Vorhof, geht durch schwere Bronzeportale eine gewaltig gerade Treppe mit neu gebautem filigranem Netzgewölbe empor zu einem neubarock-steilen Vorsaal, von dem nochmal eine nun schluchtartig schmale Treppe hoch führt in den lichtdurchfluteten, orangerot schimmernden Hauptlesesaal.

Am Montag nun wurde diese „Protokollstrecke“, wie der Architekt HG Merz einmal lästerte, nach fast genau 21 Jahren Wettbewerbs-, Planungs- und Bauzeit offiziell wieder dem Publikum übergeben. Mit ihr können weder das kühl-neuklassizistische Foyer der Bayrischen Staatsbibliothek noch die jugendstilige Eingangshalle der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig oder die postmoderne Verirrungsarchitektur in Frankfurt am Main mithalten, auch nicht die ausschweifenden Foyers der Berliner Neuen Staatsbibliothek am Kulturforum. Diese einzigartige Komposition Hans Scharouns von 1964 will sehr viel erreichen, aber sicher keine Ehrfurcht. Die Alte Staatsbibliothek, 1914 erstmals im Beisein des Kaisers und des gesamten Hofes sowie vieler Parlamentarier eröffnet, ist dagegen auch eine gebaute Demonstration, die zeigten sollte: Wer den Zugang zum Wissen kontrolliert, kontrolliert auch die Gesellschaft.

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