Berlinale Leitung: Die Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek (li.) und der künstlerische Direktor Carlo Chatrian.

BerlinExklusivität ist oft nur eine Behauptung, die im Fall des Bärendinners der Berlinale jedoch tatsächlich eingelöst wird. Einladungen für das Mitternachtsmahl nach der Bärenvergabe bekommen nur Preisträger und Jury-Mitglieder. Die Stimmung im Spiegelzelt neben dem Gropius-Bau war auch diesmal wieder in der Nacht zum Sonntag entsprechend gelöst. 

Bärengewinner, das durfte die als Beste Schauspielerin des Berlinale-Wettbewerbs ausgezeichnete Paula Beer erleben, werden in diesem Rahmen mit dem heftigen Applaus der Branche begrüßt. Sie hatte durch ihre Leistung auch dafür gesorgt, dass ihr Regisseur Christian Petzold, der ansonsten leer ausgegangen war, das vegane Menü (Selleriecremesuppe, Karotte und wilder Blumenkohl, Pumpernickeleis) genießen durfte.

Als Preisträgerin bestimmt sie, wer neben ihr am Tisch sitzt. In diesem Fall ein später Gast: Ihr Freund Jonas Dassler, der gerade auf der Berlinale als deutscher Shooting Star und europäischer Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wurde, kam von seiner dreistündigen Schicht aus dem Gorki-Theater, wo er eine Hauptrolle in „Anna Karenina oder Arme Leute“ gespielt hatte. Einfach bloß Gratulieren konnte man das nicht nennen, wozu er angetreten war. Vielleicht trifft es „Knutschulieren“ am besten.

Carlo Chatrian ging mit einem Glas Champagner durchs Zelt und begrüßte besondere Gäste wie den Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Abgeordnetenhauspräsident Ralf Wieland. Er wirkte froh, die erste Berlinale hinter sich zu haben: „Ich bin glücklich, es lief gut.“ Wobei er sich nicht einzureden schien, dass alles perfekt war: „Es kann besser laufen. Im ersten Jahr muss man sehen, dass man seinen Platz findet.“

Mariette Rissenbeek, die kaufmännische Berlinale-Chefin, kann mit der Frage nach ihrer Zufriedenheit nicht besonders viel anfangen: „Zufrieden bin ich wahrscheinlich nie. Ich bin ziemlich perfektionistisch veranlagt.“ Aber froh ist sie. Froh, dass diese Berlinale nicht noch eine Woche später im Kalender stand, denn das hätte größere Probleme mit dem Corona-Virus und der Absage großer Veranstaltungen gebracht. Vielleicht ja sogar ein Filmfestival ohne Filmvorführungen: „Ich bin froh, dass dieser Kelch an uns vorbeigegangen ist.“