Alexa Hennig von Lange,  fotografiert im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse.
Foto: picture alliance / Frank May

BerlinDie erste Adventskerze hat schon ein wenig Wachs verloren, in vier Wochen gilt es Geschenke zu verteilen. Am besten eignen sich dafür Bücher. Zur Orientierung kann man sich vorher die Autorin oder den Autor bei einer Lesung angucken. Deshalb schreiten wir hier heute einen breiten Weg ab.

Anfangen möchte ich mit dem Buch zum Fest für alle, bei denen die besinnliche Stimmung in der Familie gelegentlich von Misstönen durchkreuzt wird. Damit kann man sich prima vorbereiten. Alexa Hennig von Lange erzählt in „Die Weihnachtsgeschwister“ (Dumont, 144 S., 18 Euro) von zwei erwachsenen Schwestern und ihrem Bruder, die alle selbst schon je zwei Kinder haben. Die drei Kleinfamilien kreuzen am Tag vor Heiligabend bei den Eltern auf. Alle sind aus den Vorjahren schon Kummer gewohnt und fallen dennoch wieder in dieselben Muster.

Die Autorin nimmt die Perspektiven verschiedener Akteure ein. Manch tragisches Missverständnis wird schon über zwei Generationen weitergereicht. „Warum mussten sie eigentlich jedes Jahr alle zusammen Weihnachten feiern?“, fragt sich denn auch eines der Kinder. „Es war doch schon von vornherein klar, dass es wieder schiefgehen würde.“ Die Autorin beschreibt das Vorgeplänkel vom 23. Dezember und eine Begegnung im Frühstücksraum des Hotels am folgenden Morgen. Für den heikelsten Zeitpunkt aber hat sie sich keinen Showdown ausgedacht, sondern bessere Ideen auf Lager. Mal hören, wie viel sie davon am Donnerstag im Georg Büchner Buchladen verrät.

Am Tag davor wird sich 800 Meter entfernt ein vielgelobter Kabarettist auf die Bühne des Pfefferberg-Theaters setzen und dort in seinem Zweitberuf auftreten: Dirk Stermann nämlich, der nach mehr als 30 Jahren der Zusammenarbeit mit Christoph Grissemann von diesem untrennbar scheint, scheibt ganz alleine Bücher. Das neueste, der Roman „Der Hammer“ (Rowohlt, 444 S., 24 Euro) erzählt frei, mit ironischer Würze und fabelhaften Abschweifungen, von dem Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall (1777–1856). Dieser Mann, hochgebildet und sprachbegabt, wurde ein wichtiger Übersetzer aus dem Türkischen, Persischen, Arabischen für Diplomaten und Dichter, war möglicherweise ein Genie und wollte unbedingt so wahrgenommen werden. Was nicht so richtig klappte. Immerhin führte er ein „Lobbuch“ für sich.

Gehen wir in der Woche weiter Richtung heute und in der Stadt einmal quer durch nach Westen, kommen wir zum Bücherbogen am Savignyplatz. Dort tritt am Dienstag ein Gelehrter der Gegenwart auf, der Architekturhistoriker und Stadtwissenschaftler Vittorio Magnago Lampugnani. Er stammt zwar aus Rom, war aber lange in Stuttgart, Frankfurt am Main, Berlin und Zürich zu Hause und spricht deshalb perfekt deutsch. Er wird von den kleinen Dingen erzählen, die das Gesicht einer Stadt prägen. „Bedeutsame Belanglosigkeiten“ (Wagenbach, 192 S., 30 Euro) ist der schöne Titel des schönen Buches, das von Kiosken, Straßenlaternen, Abfalleimern, Gullydeckeln und dem Trottoirpflaster handelt. Vittorio Magnago Lampugnani, der sich über Jahrzehnte mit den Bauten beschäftigt hat, etwa als Direktor des Deutschen Architektur-Museums, lenkt den Blick auf das, was Architekten und Architekturkritiker gern übersehen. 22 Objekte stellt er vor, manche verschwinden gerade, wie die Telefonzelle.

Im hier behandelten Zeitraum gibt es jede Menge Konkurrenzveranstaltungen, hingewiesen sei noch auf ein Festival: Das Literaturhaus Berlin widmet sich „Jüdischen Literaturen“. Der Titel ist bewusst in der Mehrzahl gewählt, weil es um die Vielfalt der Genres, der Sprachen, der Themen geht – mit 30 Beteiligten, die Lyrik und Prosa und Essays schreiben, die Filme machen und mit Performances auftreten.

Dabei sind zum Beispiel Adriana Altaras (Autorin des so witzigen wie schwermütigen Romans „Die jüdische Souffleuse“), Jo Frank (der in seinem Buch „Snacks“ vom Leben zwischen den Kulturen erzählt) und Robert Schindel (der Romancier kommt als Lyriker mit dem Band „Scharlachnatter“). Mittwoch und Donnerstag beginnt das Programm schon am frühen Nachmittag. Aber auch allabendlich ist etwas los.

Literatur

Vittorio Magnago Lampugnani im Gespräch, 3.12., 19.30 Uhr, Bücherbogen am Savignyplatz, Stadtbahnbogen 593, Eintritt: 5 Euro

Dirk Stermann liest, 4.12., 20 Uhr, Pfefferberg-Theater, Schönhauser Allee 176, Karten: 14,50 Euro

Alexa Hennig v. Lange: Weihnachtsgeschwister, 5. 12., 20 Uhr, Georg Büchner Buchladen, Wörther Str. 16, 12/10 Euro

Festival „Jüdische Literaturen“, 3. bis 5.12., Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, www.literaturhaus-berlin.de