„Es reicht“: Wiener Kunsthallen-Chef hört wegen zunehmendem Rechtspopulismus auf

Vermutlich gehört Nicolaus Schafhausen zu jenen eher uneitlen Menschen, für die Berühmtheit eh nur ein Missverständnis ist, das sich um einen Namen rankt. Oder um ein Amt. Solch eines hat der gebürtige Düsseldorfer, Jahrgang 1965, gerade mit bestem Wissen und Gewissen aufgekündigt. 2012 wurde der weithin geschätzte Kunsthistoriker zum Wiener Kunsthallen-Direktor berufen. Bis 2022 läuft sein Vertrag.

Aber er gibt auf. „Weil es reicht“, wie er unumwunden zugibt. Weil er in der derzeitigen politischen Situation nicht mehr frei arbeiten könne. Als Grund nennt er die rechtspopulistische, nationalistische, ausländerfeindliche Politik in Österreich und in anderen europäischen Staaten. Auch die angesehene Kunsthalle Wien bekomme mehr und mehr ein Korsett verpasst.

Nationen, Ethnien, „Fremden“

„Sie ist aber eine Instanz, wo Kunst auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und alles andere als statisch in ihrem Programm und ihrer Struktur sein sollte.“ Aber in dieser Freiheit und Flexibiliät, auf aktuelle politische, soziale, kulturelle Gemengelagen reagieren zu können, sehe er sich innerhalb dieser klassischen Institution eingeschränkt. 2015 hatte er die Schau „Politischer Populismus“ durchgesetzt, die Mechanismen populistischer Bewegungen bloßgelegt. 

Dann folgte die Reihe „How To Live Together“, die sich mit Bedingungen und Chancen des Zusammenlebens – mit anderen Nationen, Ethnien, „Fremden“ – beschäftigte.

Gesellschaftskritische Kunst

Freunde machte er sich damit bei den Polit-Eliten nicht. Auf einen unbequemen Diskurs, der den fatalen Rechtspopulismus aufgreift, steht man in Wien nicht. Aber für Kunst und Leben brauche es einen „wesentlich stärkeren Rückhalt von Seiten unabhängiger staatlicher Institutionen und Verwaltungen“, so Schafhausen.

Mit dieser Gradlinigkeit leitete er schon in den Neunzigern das Künstlerhaus Stuttgart, hob er die Berlin-Biennale mit aus der Taufe, leitete Kunstvereine, Festivals, kuratierte den deutschen Venedig-Pavillon und lotete wieder und wieder das Potenzial gesellschaftskritischer Kunst aus. Nun verlässt er Wien. Ohne zu sagen, was er künftig macht.