Im nächsten Jahr feiert Sylvester Stallone sein 25. Knast-Jubiläum. 1989 war er zweimal im Bau: In „Lock-Up“ legte er sich als kleiner Knacki mit einem sadistischen Chef-Aufseher an, in „Tango & Cash“ wurden zwei von ihm und Kurt Russell gespielte Polizisten von mächtigen Hintermännern reingelegt und zu wenig wohlgesonnenen Mitsträflingen ins Gefängnis gesteckt.

Insofern ist Mikael Hafströms Thriller „Escape Plan“ für den 67-Jährigen so etwas wie ein Heimspiel. Stallone spielt Ray Breslin, eine Art Berufs-Knacki: Unterstützt von einem kompetenten Team (Amy Ryan, 50 Cent) lässt er sich in Gefängnisse sperren, um die dortigen Sicherheitsmaßnahmen zu prüfen und auszubrechen. Die Analyse verkaufen er und sein neurotischer Manager (Vincent D’Onofrio) an die jeweiligen Knast-Betreiber.

Mit seinem neuen Auftrag hat sich Breslin aber verhoben. Im CIA-Auftrag soll er an geheimem Ort das modernste und sicherste Gefängnis der Welt überprüfen, designiertes Endlager für Kartell-Bosse und Terroristen.

Ohne Vorwarnung wird er auf offener Straße ergriffen und unter Drogen gesetzt, der Peilsender unter seiner Haut wird rasch herausgepult. Und im Knast – vollverglaste Zellenwürfel, maskierte Wärter – leugnet der eisige Aufseher (Jim Caviezel), etwas von einer Absprache zu wissen. Ohne Hilfe kommt wohl auch der Profi-Ausbrecher Breslin aus dieser Nummer nicht raus. Und als Hilfe bietet sich nur das leicht spinnerte und etwas undurchsichtige Organisationstalent Rottmayer (Arnold Schwarzenegger) an.

Schwarzenegger (66) und Stallone (67) in einem Film – das soll hier nach kleinen Auftritten des einen mit und für den anderen in dessen „Expendables“-Streifen erneut Hauptverkaufsargument sein. Doch dieser Reiz ist flüchtig und für Stallone wenig vorteilhaft.

Stallones Minderwertigkeitskomplex

Der spielt auch in „Escape Plan“ wieder mit grimmiger, monotoner Entschlossenheit einen stahlharten Knochen, der jeden altersbedingten Verschleiß ignoriert und mit einer grotesk übertriebenen Biografie ausgestattet wird: Breslin ist ein Bastler wie der Fernsehserienheld MacGyver und soll nicht nur ein Buch über Gefängnissicherheit geschrieben, sondern früher als Staatsanwalt gearbeitet haben. Ein gewisser stallonescher Minderwertigkeitskomplex scheint da durch.

Arnold Schwarzenegger wirkt hingegen recht gelassen und eher rüstig als rostig. Wie in seinem (glücklosen) Kino-Comeback „The Last Stand“ zeigt er einen hübschen Hang zu Selbstironie, er hat keine Angst vor dem unvorteilhaft grauen Altherren-Bart oder vor Albernheiten.

In der Originalfassung wehklagt er zur Ablenkung ausladend auf Deutsch: „Ich kann es nicht mehr aushalten, ihr bringt mich um“, ruft er Caviezels Knast-Manager entgegen, „Du bist der Böse!“ Der Fan darf da kichern, wird dieses nur leidlich unterhaltsame B-Movie aber wohl im Heimkino sichten.

In den US-Filmtheatern ist „Escape Plan“ gefloppt, die Zeiten für diese Art Retro-Action scheinen auf der großen Leinwand vorbei zu sein. Nach dem 1:0 für Arnold besteht zumindest für den Ex-Terminator und Ex-Gouverneur noch vage Hoffnung: Als Komödianten und in besseren Filmen würde man ihn im Kino noch sehen wollen.

Escape Plan USA 2013. Regie: Mikael Hafström, Drehbuch: Miles Chapman & Arnell Jesko, Kamera: Brendan Galvin, Darsteller: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Vincent D’Onofrio u.a.; 116 Minuten, Farbe. FSK ab 16.