Entgegen anderslautender Vermutungen, dass Medienredaktionen von schlimmen Denkschablonen geprägt seien, indem eine schlechte Nachricht der anderen zu folgen habe, gibt es dort in schöner Regelmäßigkeit die reflexhaft gestellte Frage: „Wo bleibt das Positive?“ Mit Blick auf den Kulturbetrieb wird dann also nicht nur über verschlossene Theater und Kinos berichtet, es ist auch Platz für Nachrichten wie diese: Die Spieleindustrie ist ein großer Gewinner der Pandemie. Kinderspiele wurden in diesem Jahr bisher zu 13 Prozent mehr gekauft, bekundet etwa der Verband der Spieleverlage, aber noch besser läuft’s bei den Erwachsenenspielen, da waren es 30 Prozent mehr.

Familientherapeuten begrüßen das. Angesichts der in der Pandemie sprungartig angewachsenen Gefahr depressiver Stimmungen bieten Gesellschaftsspiele die Möglichkeit, aktiv etwas dagegen zu tun. Wer vor der Entscheidung steht, diese oder jene Karte abzulegen, erhält die Chance, aus der Falle der empfundenen Machtlosigkeit herauszukommen. Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis, flexibles Denken – Spiele vertreiben nicht bloß die Zeit, sie trainieren auch wichtige, für die innere Stabilität notwendige Anlagen.

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