In dem Roman „Bad Regina“ von David Schalko ist im Zusammenhang mit dem titelgebenden Ort nicht von Einwohnern, sondern von Verbliebenen die Rede. 2005 waren es noch 374, 2018, dem Jahr, in dem die Handlung spielt, 46. Klingt wenig, ist aber, weil fast alle als handelnde Personen vorkommen, wiederum ganz schön viel. Dennoch: Mit dem fiktiven, dem einst glamourösen österreichischen Ferienort Bad Gastein nachempfundenen Ort geht es – wie mit dem Original mitten in den schönen Tauern – bergab. Dafür steht schon der berühmte Gasteiner Wasserfall, der auch in Bad Regina permanent im Hintergrund rauscht.

Ein chinesischer Immobilienhändler namens Chen ist seit Jahren dabei, den Verbliebenen ihre Häuser und Grundstücke abzukaufen. Ein rationaler Grund wird nicht ersichtlich, schließlich wäre es gar nicht nötig, die Originalhäuser abzutragen, um in China eine Kopie des shabbyschicken Belle-Époque-Idylls zu errichten, wie es im Fall einer dem österreichischen Hallstatt nachempfundenen Wohnsiedlung in Luoyangzhen in der südchinesischen Provinz Guangdong schon geschehen ist. Der Chinese ist denn auch, wie sich herausstellt, nur der Prokurist eines alten Juden, der – Friedrich Dürrenmatts „Alte Dame“ lässt grüßen – einst aus der Stadt getrieben wurde und auf Rache sinnt.

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