Vielleicht ist es ein Streich der Geschichte, dass just in diesen turbulenten Zeiten, in denen sich Europa derzeit aufgrund der Flüchtlingsströme befindet, gerade das polnische Wroclaw diesjährige Kultur-Kapitale des Kontinents ist. Wohl kaum eine andere Stadt Europas kann von sich behaupten, dass sich die nationale Zusammensetzung ihrer Einwohnerschaft innerhalb kürzester Zeit nahezu zu 100 Prozent verändert hat – aufgrund von Flucht, Vertreibung, Heimatverlust. Davon konnten nach 1945 jahrzehntelang sowohl die alten deutschen Breslauer, als auch die neuen polnischen „Wroclawiacy“, die meist aus ehemals polnischen Ostgebieten stammten, viel berichten. Ihre Erzählungen waren getränkt von Leid, Hass, Nostalgie.

Gut 70 Jahre nach dem Tod Breslaus und der Geburt Wroclaws trauen sich die Stadtverantwortlichen inzwischen, vom „Erbe der Multikulturalität“ Wroclaws zu sprechen. Das müssen sie derzeit gegen den herrschenden nationalen Zeitgeist tun, der sich seit dem Regierungswechsel vor knapp drei Monaten von Warschau kommend ausbreitet.

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