Am Anfang spielte das European Union Youth Orchestra Mozarts Salzburger Divertimento.
Foto: Mutesouvenir/Kai Biener

BerlinDas Abschlusskonzert von Young Euro Classic am Montag im Konzerthaus gehörte, wie in fast jedem Jahr, dem European Union Youth Orchestra – und dennoch war nichts wie sonst. An ihm war vielmehr zu sehen, wie es in den nächsten Monaten mit der Orchestermusik weitergehen wird: Die passt nicht mehr aufs Podium und zwingt zur Brechung des Klangkörpers. Am Anfang stand Mozarts Salzburger Divertimento für Streicher in D-Dur KV 136, mit sechs Ersten Violinen und zwei Kontrabässen mehr als üppig besetzt – das Podium war voll. Am Ende stand Beethovens Erste Symphonie in einer Bearbeitung des Beethoven-Zeitgenossen Georg Schmitt für die originale Bläserbesetzung des Werks und Kontrabass – das Podium hätte höchstens noch zwei Bläser mehr fassen können, aber keine Streicher.

Zwischen diesen Werken standen zunächst drei Hornquartette von Nikolai Tscherepnin. Danach traten die jungen Damen des Hygieneteams auf, wischten erstmal den Boden auf, da die Hornisten hier ausnahmsweise die im Instrument sich sammelnde Feuchtigkeit nicht auffingen, wie eigentlich vorgeschrieben. Außerdem rückten sie für das folgende Kontrabassquartett die Pulte enger zusammen, denn Streicher dürfen ein wenig näher beieinander sitzen. Das alles war durchaus lehrreich und hätte einen eigenen Applaus eher verdient als die regelmäßig beklatschte Bedienung der philharmonischen Hubpodien.

Beethovens Erste klang in der Bearbeitung immer wieder wie das Original

Künstlerisch war das Konzert von etwas altmodischer Qualität. Mozarts Divertimento hört man nur noch selten im üppig-runden, bis auf das nachlassende Tempo im Finale perfekt zusammengebrachten und intonierten, im Fehlen der heute üblichen Opern-Rhetorik geradezu Karajanidischen Streichersound. Beethovens Erste klang in der Bearbeitung immer wieder wie das Original, bis man den Einsatz von Pauken und Streichern dann doch vermisste – die anstatt der Violinen eingesetzten Klarinetten wirken oft wie ein dünner Ersatz, der vom Rest der Bläser in einer Weise überrollt wird, wie das einer Streichergruppe nicht passiert. Auch hier überzeugt beeindruckende Intonationssicherheit – man weiß allerdings nicht, wem man dafür danken soll: dem Dirigenten Victor Aviat oder doch eher dem ersten Klarinettisten Romain Guyot, den das Programm als „Tutor“ auswies und der mit seinen ausdrucksvollen Körperbewegungen das Spiel der Gruppe stärker beeinflusste als der Dirigent.

Von der hohen Leistungsfähigkeit des aufgespaltenen Orchesters konnte man sich auch in den Hornquartetten überzeugen: Was kann man mit dieser heiklen Besetzung für zauberhafte Musik auch jenseits von Jagdgeschmetter machen! Für Humor sorgte die von drei finnischen Komponisten stammende Tango-Suite „Memories of the City of Turku“: Von vier Kontrabässen gespielt klingt der argentinische Tanz nach übergewichtigen Paaren, die ihre Füße kaum noch vom Parkett heben können.