Eva Herzig: „Da wird ein ungeheurer Druck ausgeübt“

Die Schauspielerin Eva Herzig bekam eine Rolle nicht, weil sie sich nicht gegen Corona impfen lassen will. Im Interview erklärt sie, was sie erlebt hat.

Die Schauspielerin Eva Herzig
Die Schauspielerin Eva HerzigStudie Zehn20

Berliner Zeitung: Frau Herzig, Sie hätten in dem populären Film „Steirerkrimi“ von ARD und ORF eine Hauptrolle spielen sollen. Doch Sie haben die Rolle nicht bekommen, weil Sie sich gegen Corona hätten impfen lassen müssen. Wie haben Sie von Ihrem Rauswurf erfahren?

Eva Herzig: Die Produktionsfirma hat mich angefragt, ob ich von August bis November Zeit für einen Dreh habe. Ich habe die Rolle der Chefin der Spurensicherung schon in vier von fünf Folgen gespielt. Ich habe nach den Drehbüchern gefragt, um mich vorbereiten zu können. Die Producerin sagte zu mir, dass sich alle, die in der Zone 1 auftreten, gegen Corona impfen lassen müssen. Die Producerin sagte mir, dass sie selbst geimpft sei. Ich sagte zu ihr, dass ich mich nicht impfen lassen möchte. Darauf teilte sie mir mit, dass ich die Rolle nicht bekommen werde.

Ist es üblich, dass man vor einer Rolle über gesundheitliche Themen spricht?

Ja, man muss entweder einfach eine Gesundheitserklärung ausfüllen, dass man keine Vorerkrankungen hat. Oder manchmal muss man zum Internisten gehen, sich untersuchen lassen und ein Attest vorlegen. Das ist unterschiedlich. Es wird gemacht, weil es sehr teuer ist, wenn eine Schauspielerin während der Produktion ausfällt. Meistens fällt dann die ganz Produktion aus, weil die Drehorte schon gebucht wurden und man nicht mehr verschieben kann. Eine Versicherung springt dann ein, und ersetzt der Produktionsfirma die Kosten.

Lag es in diesem Fall also an der Versicherung?

Ich weiß nicht, ob die Versicherung gesagt hat, dass sie nicht zahlen wird, wenn jemand an Corona erkrankt, oder ob die Produktionsfirma das gemacht hat, um keine Schwierigkeiten mehr zu bekommen. Ich weiß auch nicht, ob die Produktionsfirmen in diesem Jahr noch die Kosten vom Staat bekommen, wenn eine Produktion wegen eines Corona-Falls ausfällt. Diese Regelung gab es jedenfalls im Vorjahr.

Damals haben Sie ja auch gedreht, und es gab keine Probleme?

Wir haben ganz normal gedreht. Wir mussten uns zweimal wöchentlich testen lassen, und es gab ein strenges Hygienekonzept. Damit habe ich auch kein Problem, ich halte mich auch an alle diese Regeln, weil ich die Sorgen anderer, vor allem alter Menschen, ernst nehme. Im Vorjahr gab es in München einmal den Fall, dass eine Regisseurin und ein Kameramann positiv getestet wurden. Sie waren beide symptomlos. Die Produktion wurde gestoppt. Nachdem beide symptomlos waren, wurden sie dann ganz weit weg von der Produktion eingesetzt, sozusagen in Quarantäne. Nach zwei Tagen wurden sie negativ getestet, und die Produktion konnte normal weiterlaufen.

Haben Sie versucht, mit jemandem anderen aus der Produktionsfirma zu verhandeln?

Meine Agentin hat den Produzenten angerufen. Aber der war kurz angebunden und hat gesagt, dass es so gemacht werden muss, und dass darüber nicht diskutiert werden könne.

Hat sich jemand von ORF oder ARD bei Ihnen gemeldet?

Nein, niemand.

Wie waren die Reaktionen in Ihrer Familie, als Sie denen von den Ereignissen erzählt haben?

Meine Familie ist, wie die meisten Familien, in dieser Frage extrem gespalten. Mein Vater ist schon zweimal geimpft, und seine Partnerin auch. Mein Bruder will eigentlich nicht geimpft werden, aber jetzt überlegt er. Er sagt: Ich will meine Freiheit zurück. Meine Mutter will noch abwarten. Sie war sehr besorgt und hat gefragt: Aber Eva, wovon willst du jetzt leben? Ich bin alleinerziehend und habe zwei Söhne, acht und zwölf Jahre alt. Ich hatte mit dem Einkommen ja fix gerechnet. Einige Freunde haben mir gesagt: Warum sagst du nicht, dass du die Impfung nicht verträgst, und lässt dir ein Attest geben, das machen doch viele? Aber das will ich nicht. Ich will ehrlich sein und niemanden belügen. Ich bin für so etwas nicht gemacht, ich will offen durch das Leben gehen.

Sie haben Ihre Entscheidung öffentlich gemacht. Wie waren da die Reaktionen?

Es gab überwältigend viele Reaktionen. Die allermeisten waren positiv. Viele haben sich bedankt. Viele haben mir geschrieben, dass sie keine guten Erfahrungen mit der Impfung gemacht hätten.

Waren das echte E-Mails?

Die waren echt. Es gab natürlich auch kritische Reaktionen. Ein paar haben gesagt, ich sei nicht sozial, und die die Impfung sei doch toll und sie hätten keine Probleme gehabt.

Warum wollen Sie sich nicht impfen lassen?

Mir ist die Impfung noch zu unerforscht. Es gibt keine Erkenntnisse über die Langzeitfolgen. Ich möchte meinen Körper einfach nicht diesem Risiko aussetzen. Ich glaube, dass das meine höchstpersönliche Entscheidung ist. Ich finde, jeder muss das Risiko bei einer so neuen Impfung für sich selbst abwägen.

Wie kommen Sie zu der Überzeugung, die Impfung sei riskant? Wie haben Sie sich darüber informiert?

Ich war erstaunt, wie viele Informationen man bekommen kann. Es gibt viele Studien von Universitäten. Man kann die Daten über die Nebenwirkungen bei der Europäischen Arzneimittelbehörde einsehen. Ich weiß nicht, ob es diese vielen Nebenwirkungen gibt, weil so viel geimpft wird, oder ob es an den Impfungen liegt. Ich habe aber vor allem mit vielen Ärzten geredet. Und die haben mit völlig unterschiedliche Auskünfte gegeben. Einige haben gesagt, man kann sich bedenkenlos impfen lassen. Andere haben gewarnt und haben mir erzählt, dass sie selbst Patienten mit schweren Nebenwirkungen haben. Sie haben mir auch von ganz konkreten Impfschäden erzählt. Das war schon sehr heftig. Was mich auch irritiert hat: Viele Ärzte sagen, dass sie das öffentlich niemals sagen würden. Da wird ein ungeheurer Druck ausgeübt. Das hat mich irritiert. Und das finde ich nicht in Ordnung.

Wenn Ihnen alle Ärzte gesagt hätten, die Impfung sei kein Problem, hätten Sie sich dann impfen lassen?

Natürlich. Ich bin keine Impfgegnerin, ich habe alle klassischen Impfungen. Aber diese Impfungen sind durch strenge und langjährige Prüfungen gelaufen. Das ist bei den neuen Impfstoffen nicht der Fall. Ich habe auch von Ärzten gehört, die sagen, sie wüssten selbst noch nicht genug über die Impfung. Das leuchtet mir ein.

Haben Sie sich auch über die klassischen Medien informiert?

Ich habe nicht den Eindruck, dass die Medien so umfassend berichten, wie das meinem Informationsbedürfnis entspricht. Ich fand es merkwürdig, dass immer die gleichen Informationen kamen. Mich hat auch gestört, dass viel mit Angst gearbeitet wird. Ich fand die Informationen nicht angemessen und fühle mich nicht aufgeklärt. Für mich sind die eigenen Beobachtungen und Gespräche wichtiger.

Warum?

Weil ich auf Eigenverantwortung setze. Es wird den Menschen zu wenig zugetraut. Dazu gehört auch, dass ich verpflichtet bin, mich bestmöglich zu informieren. Ich bin auch dafür verantwortlich, was ich weiß. Dann kann ich am Ende zu meiner Meinung stehen und auch die Verantwortung für andere übernehmen. Das ist für mich als Mutter sehr wichtig. Ich habe eine Verantwortung für meine Kinder.

Wie sind Sie bisher durch die Corona-Pandemie gekommen?

Es war eine sehr schwierige Zeit, vor allem für meine Kinder. Vor einem Jahr ist der Vater meiner Kinder gestorben, was für die Jungs eine schwere Belastung ist. Mein Zwölfjähriger war schon vor der Pandemie sehr angeschlagen. Es war eine sehr belastete Situation. Er hatte sehr ernste Symptome. Als ich ihn in der Schule von der Maskenpflicht befreien lassen wollte und ein Attest vorgelegt habe, hat mir der Direktor gesagt: Das kann kein Arzt entscheiden. Ein Befreiung gäbe es nur bei einer schweren Lungenerkrankung. Und darüber entscheide ausschließlich die Schulbehörde. Der Direktor hat aber gesagt, dass er Verständnis für mich habe. Er nimmt sich übrigens jetzt eine Auszeit und geht nach Südafrika.

Was haben Sie dann gemacht?

Ich werde von Wien nach Graz ziehen. Wir sind eine Gruppe von Eltern und Lehrern, die es anders machen wollen. Einige Lehrer haben ihren Job gekündigt und wollen neu anfangen. Wir stützen uns gegenseitig. Wir werden unsere Kinder im häuslichen Unterricht selbst erziehen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Ich möchte positiv bleiben. Ich hoffe, dass sich die Dinge wieder ändern werden. Mir ist vor allem wichtig, dass über alle diese Themen öffentlich diskutiert wird. Das wir uns nicht gegenseitig verdächtigen, sondern dass wirklich viele Menschen sich an der Debatte beteiligen, auch, wenn sie negative Erfahrungen gemacht haben. Nur daraus können wir lernen.

Unter welchem Umständen werden Sie sich impfen lassen?

Wenn die Impfung alle Stadien durchlaufen hat wie alle anderen Impfungen auch, und wenn sie eine dauerhafte Zulassung hat aufgrund der strengen Standards, die wir in Europa haben.

Das Gespräch führte Michael Maier.