Vor die Drehtür zum Gropius-Bau stellen die Ausstellungsmacher gerade ein Fahrrad, made in China. Im Korb ein üppiger Strauß leicht duftender weiß-rosa Tulpen. Der Absender sagt damit also durch die Blume, was zu sagen ist. Ein Mittel stumm-beredter Kommunikation; eine höflich-hintersinnige Botschaft nach Berlin, das Ai Weiwei, der in China nicht ausstellen darf, eingeladen hat, wohin Pekings Führung ihn aber bis dato nicht reisen lässt. Wie sollte das auch gehen, ohne Pass. Den hat er schon seit drei Jahren nicht mehr, seit ihn Maos Erben am 3. April 2011 eingesperrt hatten, 81 Tage lang und ohne Anklage an einem unbekannten Ort.

Diese Art sanfter materieller Rhetorik des ästhetischen Widerstands ist der Prolog zu „Evidence“, was sich auch mit „Beweis“ im juristischen Sinn übersetzen lässt. Ai Weiwei, 56, in seinem von verwanzten Telefonen und von Überwachungskameras der Geheimpolizei gespickten Studio in einer einstigen Traktorenfabrik im Dorf Chaoyang am Rande Pekings, hat rote Lampions vor die Kameras gehängt. Sieht lustiger aus, sagt im ausstellungsbegleitenden Film der Sohn eines Dichters. Die blanke Ironie.

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