Gegen Ende der Renaissance erfasste einige Komponisten Gigantomanie. Während im vierstimmigen Satz die Rollen zwischen Ober-, Mittel- und Unterstimmen klar verteilt sind, gleicht zum Beispiel schon der sechsstimmige einem permanent umgepflügten Komposthaufen. Aus satztechnischen Gründen kreuzen sich die Stimmen permanent, was eben noch oben war, ist jetzt mittendrin und umgekehrt. Dabei kommt es zu Klangbildern, in denen sich Melodie und Bass kaum zu bewegen scheinen, sondern vor allem in der Mitte ein flirrendes Gewimmel entsteht. Antoine Brumels zwölfstimmige Missa „Et ecce terrae motus“ ist so ein Stück, dessen klangliche Bewegung eher spür- als hörbar ist: Was die Stimmen da im Wechsel nur weniger Harmonien genau machen, kann man nur ahnen.

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