Ein Lehrer hat keinen Bock auf Unterricht, beleidigt seine Schüler und diszipliniert sie gern mal mit nackter Gewalt. Die Direktorin jammert, ihr gesamtes Budget ginge für die Entfernung von Graffiti drauf. Doch das Abschneiden im Lehrer-Ranking ist ihr im Zweifelsfall wichtiger als jede Pädagogik. Ist das noch Komödie? Oder haben wir hier schon die böse Realität?

Die deutsche Komödie teilt sich gemeinhin in zwei Sorten. In der einen amüsiert man sich unter Niveau, in der anderen – sie nennt sich Tragikomödie – gar nicht. Gute Komödien, das zeigt der internationale Vergleich, sind von vorn bis hinten komisch. Und zwar aus Einsicht: Der Ernst des Lebens, auf dem sie beruhen, erlaubt keine halben Sachen. In den zuletzt stilprägenden US-Filmen ging es um die Geschlechterverhältnisse oder die Midlife-Crisis des modernen Mannes. Mit dieser Konkurrenz kann sich „Fuck ju Göhte“, und das ist eine sagenhafte Neuerung, in allen Belangen messen. Die zugrunde liegende Tragik allerdings ist eine ganz andere: das deutsche Schulwesen.

Als verkommenste aller Schulen dient hier, natürlich nur als Beispiel, die Goethe-Gesamtschule in einem nicht genannten Problembezirk. Die Schüler telefonieren im Unterricht, kauen Kaugummi, lassen jeden Respekt vermissen. Die Mädchen sind schlimmer als die Jungs und die Lehrer mit den Nerven am Ende. Gleich in einer der ersten Szenen stürzt sich eine Lehrerin aus dem Fenster – es ist Uschi Glas, in einem herrlich hysterischen Gastauftritt.

Die betreffende Klasse wird an einen Neuen übergeben, und tatsächlich zeigen dessen harte Bandagen Wirkung. Was keiner weiß: Herr Müller ist gar kein Lehrer. Es handelt sich um einen haftentlassenen Kriminellen, der nachts im Keller unter der Schule nach der Beute eines Raubs gräbt. Seine pädagogischen Kenntnisse sind gleich Null, aber er weiß, wie man harte Bretter bohrt.

Das ist natürlich alles irre, bloßes Klischee, noch dazu mit autoritärer Stoßrichtung. Wer mit der Paintball-Pistole auf Schüler schießt, argumentiert nicht als Reformpädagoge. Doch hier kommt eben das Niveau ins Spiel. Der Titel führt in die Irre, dies ist trotz durchgängig derben Vokabulars ein fein gearbeiteter und intelligenter Film mit ungekanntem komödiantischen Timing. Der Regisseur Bora Dagtekin weiß, wie man aus Klischees Wahrheiten herauskitzelt.

Und seine beeindruckende Besetzung weiß, wie man fiese Sprüche („Chantal, heul leise!“) und blanke Dummheit („Boah, nicht schon wieder KZ!“) so serviert, dass niemand Schaden nimmt. Man würde nun gern dröhnen, solche humoristische Präzision made in Germany habe man zuletzt in Goethes „Faust“ gesehen, kann aber auch tiefstapeln: Seine bei Kritik wie Publikum populäre Klamotte „Türkisch für Anfänger“ hat Dagtekin hier noch mal locker übertroffen.

Den bösen Lehrer spielt Elyas M’Barek, garantiert ohne Männlichkeitskomplex, sexy als dummer Gangster und unwiderstehlich mit Streberbrille. Dass Bildung cool ist und schöner macht, ist natürlich die Botschaft, aber sie kommt so hinterfotzig und unsentimental daher wie der ganze Rest.

Dafür sorgen schon Katja Riemann als abgebrühte Schulleiterin und die rotzfrechen, keineswegs auf Sympathie getrimmten Jungschauspieler. „Fack ju Göhte“ zeigt den Bürgeralptraum einer deutschen Schule und schafft das Kunststück, sich über beides lustig zu machen. Noch schöner ist, dass die Migrantenthematik dabei – anders als noch in „Türkisch für Anfänger“ – keinerlei Rolle spielt. Herr Müller würde sagen: Klappe zu, Ende der Diskussion!

Fack ju Göhte:Dtl. 2013. Buch & Regie: Bora Dagtekin, Kamera: Christof Wahl, Darsteller: Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Jana Pallaske, Katja Riemann u.a.; 118 Minuten, Farbe. FSK ab 12.