Die beiden Moderatoren vom Dschungelcamp, Daniel Hartwig und Sonja Zietlow.
Foto: dpa/Marius Becker

Berlin„Insta Famous“ stand auf dem Sweatshirt, in dem mir am Morgen eine junge, vielleicht 16-jährige Frau auf dem Weg zur S-Bahn begegnete. Sie trug ihre Jacke trotz der kühlen Witterung offen, nur deshalb war der zweifarbige Schriftzug lesbar, den sie in einer Mischung aus Lässigkeit und demonstrativen Stolz zum Entziffern anbot.

Da ich nicht annahm – warum eigentlich? –, dass sie eine Berühmtheit ist, ging ich davon aus, dass ihre Botschaft ganz allgemein von der Existenz des Instagram-Universums künden sollte.

Komplexe Strategien für die eigene Karriere

Tatsächlich haben die digitalen Plattformen neue Varianten der Selbstdarstellung und -wahrnehmung hervorgebracht, die gerade auch im Dschungelcamp, der RTL-Sendung „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, zu beobachten sind. War man bislang geneigt, die Sendung mit kulturkritischer Verve als Schwundstufe der Fernsehunterhaltung zu betrachten, in der die Teilnehmer frei flottierend als gesellschaftliche Verlierer unterwegs sind, so zeigen Danni, Elena, Anastasya, Toni und Co., dass es für sie längst um komplexe Strategien multimedialer Anschlussfähigkeit geht.

Die Aussicht auf Fernsehpräsenz und die Honorarzahlungen des Senders sind nicht das Ziel ihres Wirkens in den Außenbezirken des Showgeschäfts, sondern der Ausgangspunkt ihrer weiteren Aktivitäten in der medialen Verwertungskette. Sehr viel besser als die Männer, die wie der ehemalige Boxweltmeister Sven Ottke nur teddybärhaft sympathisch sein wollen, kooperieren und konkurrieren nicht wenige der Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, um Punkte fürs Ranking – welcher Kategorie auch immer – zu sammeln.

Schmerzen vergehen

Nichts ist peinlich, Schmerzen vergehen, die Wahrnehmung der Chance des Augenblicks zählt. Das Dschungelcamp ist kein Überbleibsel einer abklingenden Trashkultur, sondern ein Tutorial für den Aufbau neuer Aufmerksamkeitshierarchien.