Die 89 Minuten Länge des Films „Familienfest“ von Regisseur Lars Kraume deuten darauf hin, dass da passgenau für einen standardisierten TV-Sendeplatz produziert wurde. Das Sendeschema ist heilig. Und nur, weil der Regisseur vielleicht nicht früher fertig geworden ist, kann das Heute-Journal ja nicht zehn Minuten später beginnen. Manchmal lässt schon die Qualität des Drehbuchs erahnen, dass ein Film die Chance verdient, ins Kino zu kommen. Und gelegentlich klappt das dann sogar. Lars Kraumes „Familienfest“ sollte am Dienstagabend im Filmtheater am Friedrichshain seine Kinopremiere feiern.

Ab Donnerstag gibt es den Film mit dem exquisiten Ensemble, zu dem Lars Eidinger, Hannelore Elsner, Günther Maria Halmer, Michaela May und die vom Gott der Schauspielerei mit pfundweise Zauberstaub panierte Jördis Triebel gehören, in den Kinos.

Dialoge wie Fechtduelle

Von denen, die Produzent Benjamin Benedict für dieses Projekt anfragte, sagten alle, die noch zurechnungsfähig sind, umgehend zu. Regisseur Lars Kraume reizte besonders dies: „Was ich an dem Drehbuch so stark fand, war genau die Tatsache, dass sich in den Dialogen ständig die Klingen kreuzen.“ Nur kurz zur Handlung: Zum 70. Geburtstag von Hannes Westhoff (Halmer) findet sich die Familie des berühmten Pianisten in dessen Villa ein. Ziemlich schnell passiert das, was der Regisseur so umschreibt: „Rund um dieses Jubiläum kommen Dinge auf den Tisch, die über Jahre hinweg totgeschwiegen wurden.“ Und diese unverhandelten Themen fliegen der Familie nun „emotional um die Ohren.“

Während man als Regisseur einer üblichen Produktion selten mehr als zwei Schauspieler zu führen hat, artete das „Familienfest“ besonders für den Regisseur in Arbeit aus. Kraume beklagt sich nicht, er umschreibt bloß: „Vor allem für mich war das ganz schön anstrengend, weil ich natürlich die ganze Zeit neun Schauspieler am Set hatte, die alle richtige Figuren haben, eine Entwicklung durchmachen und alle in jeder Szene auftauchen.“ Er fasst zusammen: „Also für mich war es definitiv ein anstrengender Film.“

Schaubühnen-Eidinger will geliebt werden

Lars Eidinger kann im Kino, Fernsehen und auf der Theaterbühne machen, was er will: Sein Publikum liebt ihn. Es fällt ihm nicht schwer, das zu genießen, weil er es - Eidinger gibt das zu - ja auch „in gewisser Weise darauf abgesehen“ hat. Bei all dem müsse man allerdings aufpassen, dass man „nicht zu seinem eigenen Klischee verkommt, indem man versucht, dem Image, das von außen an einen herangetragen wird, zu entsprechen.“ Den Film „Familienfest“ lobt er: „Ich glaube, es ist die große Qualität des Films, dass jeder mindestens eine kleine Facette dieser extremen Konflikte aus der eigenen Familie kennt.

Für den Geschmack von Regisseur Lars Kraume gibt es zu wenige Filme von dieser Art: „Das bürgerliche Familiendrama ist ein tolles Sujet, das in Deutschland leider viel zu selten behandelt wird.“

Die Zielgruppe für sein „Familienfest“ ist aus Sicht des Regisseurs riesig, denn er glaubt, dass „dieser Film heilsam für alle ist, die kein perfektes Familienleben haben, was vermutlich sehr viele sind.“ Seiner Überzeugung nach kann man in „Familienfest“ als Zuschauer „lachen, weinen und auch etwas mitnehmen: nämlich die Aufforderung, sich immer weiter umeinander zu bemühen.“