Der Dichter Rainer Maria Rike, dessen Geburtstag sich am 4. Dezember zum 145. Mal jährt, war rund vier Jahre lang als Wilmersdorfer und Schmargendorfer fast ein Berliner. 1897 folgte der gebürtige Prager seiner Angebeteten, der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé, und ihrem Mann, dem Iranisten Carl Friedrich Andreas, aus dem Sommerurlaub im oberbayerischen Wolfratshausen nach Berlin. Während das Ehepaar in Schmargendorf wohnt, logiert der 21-Jährige im nahen Wilmersdorf. Die Adresse seiner Wohnung mit Bad und Balkon vermerkt er ab Oktober in seinen Briefen als: „Berlin-Wilmersdorf, im Rheingau 8“, im dritten Stock. Hier genießt er es, „die großen Annehmlichkeiten eines Landwinters in gesunder und trockener Luft, mit den besten Vorzügen des Großstadtlebens nach Lust und Laune vereinen“ zu können.

Zwar ist Wilmersdorf damals noch ein Vorort der deutschen Reichshauptstadt, aber von dort fährt der junge Poet oft nur 15 Minuten mit der Ringbahn zum Potsdamer Bahnhof, nahe dem heutigen Potsdamer Platz. Seine ersten Eindrücke von Berlin sind zwiespältig. Die Architektur der Stadt empfindet er als „ungemein interessant, groß, lebhaft und mondän“, die Berliner dagegen als „klein, widerwärtig und spießbürgerlich“. Auch wundert er sich über ihren Dialekt: „Die Berliner reden hören!“

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