Vom jungen deutschen Film gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Es gibt sie noch, die leidenschaftlichen Regisseure und Regisseurinnen, die das Publikum mit ihren Werken rühren, aufregen und gelegentlich auch mitreißen. Hof war wie in jedem Jahr ein gastlicher Ort, wenn auch mit schlechtem Wetter.

Mehr als 100 neue Filme wurden hier gezeigt, viele von ihnen Erstlingswerke wie „Schwimmen“ von der Berliner Regisseurin Luzie Loose, deren Debüt mit dem Hofer Goldpreis ausgezeichnet wurde.

Leider kommt jetzt auch schon die schlechte Nachricht: Kaum einer dieser Filme wird den Weg ins Kino finden. Oder ins Fernsehen. Oder bei Streamingdiensten ausgestrahlt werden. Denn in diesem Jahr waren mehr noch als in den Vorjahren Werke zu sehen, die ohne Filmförderung, ohne Sender und ohne Verleih realisiert wurden. 

Fehlende Filmförderung, tiefrote Zahlen

Manch einem Film kam der Sender auf dem Weg der Entstehung abhanden, wie etwa Matthias Wilferts Dokumentarfilm „Raus“. Was sein sperriger Heimatfilm jedoch nicht (mehr) hat, ist ein Platz beim Bayerischen Rundfunk. „Der fiel einer Programmstrukturreform zum Opfer“, erzählte Wilfert bei einer Diskussion. Dennoch darf er ihn nur dreimal zeigen, weil die Rechte für fünf Jahre beim Sender verbleiben, der den preisgekrönten Film nun vermutlich archiviert. Was man hat, hat man.

Völlig unklar ist, was mit Gernot Erlers Actionfilm „Der letzte Mieter“ passieren wird. Erler hat den Film, in dem eine Wohnungsräumung völlig eskaliert, gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Matthias Ziesing produziert. „Wir hatten so eine große Lust auf den Dreh, dass wir uns nicht mit Förderanträgen aufhalten wollten“, erzählte Erler dem Kinopublikum. „Nun stecken wir alle in tiefroten Zahlen, aber immerhin gehört der Film uns.“

Selbst die Perücke musste genehmigt werden

Über Geld wurde sehr viel geredet in Hof. Denn auch, wer Filmförderung, Senderunterstützung und sogar schon einen Verleih für sein Werk hat, muss derart stark aufs Geld schauen, dass es auch schon mal groteske Züge annimmt. Eine solche Geschichte hatte Anna Miruna Lazarescu zu erzählen.

Ihr Film „Glück ist was für Weicheier“ eröffnete die Hofer Filmtage und ermöglichte dem Premierenpublikum die Schauspielentdeckung des Jahres: Die 14-jährige Ella Frey brilliert in der Rolle der Jessica, die gegen ihre vielen Ticks ankämpfen muss und dabei auch noch versucht, das Leben ihrer schwer kranken Schwester Sabrina zu retten. Ihr Vater Stefan ist im Familienleben nur bedingt eine Hilfe.

Gespielt wird er von Martin Wuttke, dem eine auffällige Perücke verpasst wurde . Die allerdings war ein echter Kostenfaktor und musste als solcher erst mal genehmigt werden, eröffnete Lazarescu dem Hofer Publikum im Klubgespräch. 4000 Euro sind selbst in einer 1,2 Millionen-Euro-Produktion kein geringer Posten.

„Sieben Drehtage, mehr war nicht drin“

Über derartige Summen kann das Regiekollektiv Lisa Ossowski, Julia Rabe, Yann Larry und Vincent Lenk nur staunen. Ihr gesamter Episodenfilm „Zweisam. Gemeinsam. Einsam“ hat nicht viel mehr gekostet als die Perücke für Martin Wuttke. Die vier Autodidakten haben 3300 Euro per Crowdfunding bei Familie und Freunden eingeworben und dann noch eine Preisprämie draufgelegt, die sie für einen ihrer Kurzfilme erhielten, mit denen sie sich bisher auf Festivals vorstellten.

Dann hatten sie um die 5000 Euro zusammen, um ihren ersten Langspielfilm zu drehen, für den sie sich mit ihrer Crew für zwei Wochen in ein altes Haus in Brandenburg einquartierten. „Sieben Drehtage, mehr war nicht drin“, erzählt Vincent Lenk, der als einziger der vier sein Studium an der Hochschule der Medien in Stuttgart bereits abgeschlossen hat. Die anderen vier studieren noch – alle irgendwas mit Medien, aber keiner an einer Filmhochschule.

Effektvoll in Szene gesetzt

„Dort muss man sich schon mit einem Filmprojekt bewerben“, sagt Lisa Ossowski. „Wir aber haben erst mit dem Filmen angefangen, als wir schon studierten.“ Und nun habe keiner Lust, noch einmal fünf Jahre dranzuhängen.

Dass im Zeitalter digitaler Technik auch Autodidakten professionelle Filme realisieren, beweisen die vier mit „Zweisam. Gemeinsam. Einsam“, in dem erzählt wird, wie unterschiedlich Geschichten enden können, wenn es sich jeweils nur kleine Details ändern. Das ist effektvoll in Szene gesetzt, dennoch staunt das Quartett noch immer, dass sein Film in Hof angenommen wurde. Wo sie ihren Film noch zeigen können, wissen die vier noch nicht.

Da hat Anna Miruna Lazarescu mehr Glück. „Glück ist was für Weicheier“ kommt voraussichtlich im Februar in die Kinos. Immerhin, ein Erstling kam durch. Wem das nicht reicht, der kommt nächstes Jahr wieder nach Hof.