Die Direktorin der Bauhaus-Stiftung in Dessau, Claudia Perren, versuchte gestern auf einer Pressekonferenz in Berlin, die eigentlich dem Programm für das Bauhaus-Jubeljahr 2019 gewidmet war, ihre Sicht der Absage eines Konzerts der Punkband Feine Sahne Fischfilet zu skizzieren, die die Kulturwelt seit Tagen in Aufruhr versetzt. Perren aber blieb dabei: Angesichts drohender Demonstrationen von Rechtsradikalen bestehe physische Gefahr für das Welterbe der Bauhaus-Gebäude. Und es sei immer Strategie des Netzwerks Demokratie in Dessau gewesen, „die Rechtsradikalen von Symbolen“ wie den Bauhaus-Bauten fernzuhalten.

Einziges Zugeständnis: „Das ist uns jetzt auf die Füße gefallen“, der „schlechten Kommunikation“ wegen. Der einstige Berliner Kultursenator Thomas Flierl und der Chef der Klassik-Stiftung in Weimar, Wolfgang Holler, hingegen riefen nach einer Strategie, wehrhaft mit den Angriffen aus der AfD sowie den Attacken von rechten Internetseiten und sogar aus der CDU auf die liberale Kultur umzugehen.

Polizei muss in der Lage sein, das Bauhaus gegen Angriffe zu schützen

Ob es eine glückliche Idee war, Perrens Selbstverteidigung mit der Vorstellung des Bauhaus-Jubiläumsprogramms zu verbinden, darf bezweifelt werden. Ein spannendes Kulturjahr mit über 670 Veranstaltungen steht bevor. Von Konferenzen und Ausstellungen über das internationale Projekt „bauhaus imaginista“ und die Tour zur modernen Architektur bis zum Kindertheater spannt sich der Bogen. Schließlich soll, wie Annemarie Jaeggi vom Berliner Bauhaus-Archiv sagte, die überfällige Erkenntnis des Jahresprogramms sein, dass das Bauhaus „nur ein Teil der Moderne“ war, „nicht aber die Moderne“.

Aber erst einmal sollten die Veranstalter sich der Frage stellen, welche Rolle die aktuelle Bedrohung der vielstimmigen Demokratie im Bauhaus-Erinnern spielen muss – das dürfte die wichtigste Schlussfolgerung aus dem Dessauer Skandal sein. Bleibt die Frage: Warum revidiert Claudia Perren ihre Entscheidung nicht, statt weiter den Sündenbock abzugeben für eine Politik, die behauptet, Kulturinstitutionen könnten politikfrei sein? Die Polizei jedenfalls muss in der Lage sein, das Bauhaus gegen Angriffe zu schützen. Alles andere hieße, genau das zu tun, was auch Perren unbedingt vermeiden will: den Stadtraum den Feinden von Demokratie und Vielfalt zu überlassen.