Die Absage eines Konzerts der mecklenburgischen Punkband Feine Sahne Fischfilet durch die Stiftung Bauhaus Dessau zieht immer mehr Kritik auf sich. Das ZDF wollte ursprünglich den Auftritt am 6. November im Rahmen der seit 2011 existierenden Sendereihe „ZDF@Bauhaus“ aufzeichnen.

Nun haben der Berliner Kultursenator Klaus Lederer und der Trägerverein des Berliner Bauhaus-Archivs dem ZDF angeboten, dass die Band im Gebäude des Bauhaus-Archivs auftreten könne.

Die Marke wird beschädigt

Das Haus in der Klingelhöferstraße 14 wurde in den 60er-Jahren vom Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, entworfen und steht derzeit wegen der bevorstehenden Sanierung leer. Wie Lederer kritisierte auch der Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, Markus Klimmer, gegenüber der Berliner Zeitung die Entscheidung der Dessauer Stiftung und ihrer Direktorin Claudia Perren scharf: „Das Bauhaus ist ein politischer Ort. Wer etwas anderes sagt, hat das Bauhaus nicht verstanden.“ Perren hatte die Absage neben der Angst vor Demonstrationen von Rechtsradikalen auch damit begründet, dass die Bauhaus-Stiftung ein „bewusst unpolitischer Ort“ sei.

Markus Klimmer sagte, er erhalte aus der ganzen Welt Anfragen, weshalb eine Band, die eindeutig gegen Neonazis und Rassismus eintrete, nicht ins Bauhaus gehören solle: „Hier wird die Marke Bauhaus schwer beschädigt.“ Das Bauhaus sei auch nicht neutral: „Wir stehen für Toleranz, Weltoffenheit, Innovation und den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte am Sonnabend nochmals die im Grundgesetz garantierte Kunstfreiheit, es dürfe „niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistische Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern.“ Es dürfe von keiner Seite politische Gewalt verharmlost werden. Auch eine Band wie Feine Sahne Fischfilet habe eine Verantwortung für ein von rechtsstaatlichen Werten geprägtes Miteinander: „Über all dies wird im Stiftungsrat des Bauhaus Dessau und mit dem ZDF intensiv zu sprechen sein.“ 

Ein „falsches Signal“

Feine Sahne Fischfilet hat zwischen 2011 und 2014 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern gestanden wegen eines wutbrennenden Liedtextes, in dem die Erfahrungen des Sängers Jan Gorkow („Monchi“) bei einem Polizeieinsatz während einer Demonstration gegen Neonazis geschildert werden. Der Sänger hatte gemeinsam mit der Band entschieden, den Song „Staatsgewalt“ nicht mehr zu spielen. Teile der CDU und die AfD werfen der Band weiterhin Verfassungsfeindlichkeit vor.

Der Kultusminister Sachsen-Anhalts Rainer Robra (CDU) verteidigt die Entscheidung des Bauhauses Dessau mit dem Verweis auf die zurückliegende Beobachtung des Verfassungsschutzes: „Die linksextreme Punkband drinnen und Rechtsextreme draußen vor der Tür wären in diesem Fall nur durch Fenster voneinander getrennt gewesen.“

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, teilte dagegen mit, dass die Absage des Konzerts „aus Angst vor rechten Demonstrationen“ ein „falsches Signal“ setze: Die Geschichte des Bauhauses werde „verhöhnt“, das 1932 aus Dessau auf Druck der nationalsozialistischen Landesregierung Anhalts nach Berlin umziehen musste, wo es nach dem Machtantritt Hitlers 1933 geschlossen wurde. 

Historisch eine hochpolitische Einrichtung

Die Entscheidung von Claudia Perren steht auch deswegen so scharf in der Kritik, weil die Direktorin der Bauhaus-Stiftung 2015 als Nachfolgerin des Architekten Philip Oswalt berufen wurde, der in seinen Ausstellungen die politische Geschichte des Bauhauses betont hatte. Er hatte eisenhart die politische Autonomie der Bauhaus-Stiftung verteidigt, unter anderem im Streit um den Ort, an dem ein neues Bauhaus-Museum in Dessau errichtet werden sollte. Der damalige Kultusminister Stephan Dorgerloh setzte sich damals gegen alle Fachbeiräte durch. Die neue Direktorin Perren sicherte dann gleich in der ersten Pressekonferenz zu, die Museumswünsche des Ministers erfüllen zu wollen.

In der Ausstellungs- und Veranstaltungspolitik ist das Bauhaus mit ihr seither nicht weiter aufgefallen – im Unterschied zur Zeit ihrer Vorgänger Rolf Kuhn, Omar Akbar und Oswalt. Selbst in der die Geschichte des Bauhauses direkt betreffenden Flüchtlings- und Migrationsdebatte und derjenigen über den wachsenden Einfluss rechtsnationaler und rassistischer Bewegungen – ein großer Teil seiner Mitarbeiter mussten vor den Nazis fliehen, einige biederten sich ihnen an – spielte es unter Claudia Perren bisher keinerlei Rolle. Stattdessen wurden die historische Aufarbeitung von Einzelleistungen von Bauhaus-Mitarbeitern sowie die Bedeutung für die Design- und Architekturgeschichte und die didaktische Arbeit in den Vordergrund gestellt.

Doch das Bauhaus war historisch eben tatsächlich eine hochpolitische Einrichtung. Es stand fest an der Seite der demokratischen ersten deutschen Republik, wechselte lieber zwei Mal den Ort, einmal von Weimar nach Dessau, dann 1933 nach Berlin, als dem Druck der deutschen Rechten nachzugeben. Ein Maßstab, den Claudia Perrens Direktion bisher verfehlt mit ihrer ahistorischen Behauptung eines nur der Schönheit gewidmeten Bauhauses.