Wie realitätsnah ist die zweite Staffel der Fernsehserie „Charité“? Der frühere Charité-Mediziner Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) ist einer der Hauptcharaktere der zweiten Staffel der TV-Serie, die kürzlich in der ARD zu sehen war. Diese spielt zu Zeiten des Nationalsozialismus. Nun hat sich auch das Medizinhistorische Museum der Charité das Leben des Chirurgen vorgenommen.

Von Freitag an läuft die Ausstellung „Auf Messers Schneide“ über die zwiespältige Persönlichkeit. „Bis heute prägt die Figur Sauerbruch maßgeblich das Bild des ärztlichen Halbgottes in Weiß“, heißt es in der Ankündigung zur Ausstellung. Der Chirurg wurde bekannt für besondere Leistungen am OP-Tisch, gilt auch als eine der Stützen des NS-Regimes.

Da die Serie aufgrund ihres Betrachtungszeitraumes nicht in der Lage gewesen sei, Wandlungen der historischen Persönlichkeit Sauerbruchs nachvollziehbar darzustellen, solle die Sonderaustellung sein Leben im Ganzen nachzeichnen, sagte Museumsdirektor Thomas Schnalke am Donnerstag. „Wir zeigen einen ganzen Blumenstrauß seiner Persönlichkeiten.“

„Auf Messers Schneide” zeigt Sauerbruchs Armprothesen

Die Austellung bietet Einblicke in den Werdegang des annerkannten Arztes von seiner Kindheit bis hin zu seiner Zeit als Meisterchirurg. Zudem werden seine politischen Einstellungen deutlich, die teilweise im Widerspruch zu seinen Handlungen standen. In der Serie sei der Chirurg überwiegend positiv dargestellt worden, man müsse aber auch die Ambivalenz seiner Eigenschaften und Haltungen zeigen, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Deshalb habe der Vorstand großen Wert auf diese Ausstellung gelegt und damit auch auf die Aufarbeitung der Geschichte der Charité in der NS-Zeit.

In der Ausstellung sind bewegliche Armprothesen zu sehen, die Sauerbruch konzipierte und bei seinen Patienten verwendete. Interessant ist auch ein Nachbau der von ihm entwickelten Unterdruckkammer, die Eingriffe im Brustraum ermöglichte. „Auf diese Kammer sind wir besonders stolz“, sagt Kuratorin Judith Hahn.

Ausstellung „Auf Messers Schneide, bis 2. Februar 2020, Charité-Platz 1, Mitte, Montags geschlossen. Infos unter www.bmm-charite.de