Kampfsportler, Kleinkrimineller im Rotlicht-Milieu oder Restaurantbetreiber – das sind die Rollen, in denen Asiaten für gewöhnlich in deutschen Filmen vorkommen. Dass es auch ganz anders geht, wollen die Macher des Asian Film Festivals Berlin zeigen. Das Festival im Ballhaus Naunynstraße dauert eine Woche. Los geht’s diesen Sonnabend.

Bereits der Eröffnungsfilm „Gook“ (USA, 2017) sei einer der Höhepunkte des Programmes, erklärt Festival-Co-Direktorin Kimiko Suda: „Der Film spricht ein Thema an, das in deutschsprachigen Kulturproduktionen bisher nicht vorkommt: Konflikte und Freundschaften zwischen unterschiedlichen migrantischen Communities. Und der Regisseur und Schauspieler Justin Chen ist ein international bekannter Star, seit er die Rolle des Eric in den Twilight-Filmen gespielt hat.“

„Ping Pong“ und „Schau mich nicht so an“

„Gook“ spielt vor dem (realen) Hintergrund der L.A. Riots, rassistisch motivierten Unruhen in der kalifornischen Metropole im Jahr 1992. Hauptfiguren sind zwei koreanisch-amerikanische Brüder und ein afro-amerikanisches Mädchen, die sich anfreunden – inmitten eines Klimas von Hass und Gewalt. „Gook“ ist in den USA ein Schimpfwort für Menschen asiatischer Abstammung. Flankiert wird die Eröffnung von einer Performance von Olivia Hyunsin Kim, einer deutsch-asiatischen Künstlerin aus Berlin.

Am zweiten Festivaltag, dem Sonntag, zeigt sich schließlich die Bandbreite, die die Kuratoren abdecken wollen. Neben dem auch für Kinder geeigneten Animationsfilm „Window Horses“ und einem Kurzfilmprogramm, das die asiatisch-europäische Diaspora zum Thema hat, laufen als abendliche Hauptfilme „Ping Pong“ (Po-Chih Leong, GB 1987) und „Schau mich nicht so an“ (Uisenma Borchu, D/Mongolei 2015).

Von Ulaanbaatar in die DDR

„Ping Pong“ ist zwar schon älter, feiert aber dennoch in Berlin Deutschlandpremiere. Außerdem ist „Ping Pong“ sicher einer der witzigsten Filme des Festivals. In der Komödie geht es um den Mord an einem Restaurantbesitzer in Londons Chinatown und den folgenden Streit um sein Erbe. Alles gipfelt darin, dass die Nichte des Toten (gespielt von Lucy Sheen) und einer seiner Söhne auf eigene Faust nach dem Mörder suchen. Nebenbei werden die zwei dabei mit ihren unterschiedlichen Identitäten (chinesisch und englisch) konfrontiert. Im Anschluss gibt’s die Gelegenheit, der Hauptdarstellerin Lucy Sheen persönlich Fragen zu stellen. Die Schauspielerin, die auch Regisseurin und Autorin ist, reist dazu aus London an.

„Schau mich nicht so an“ ist das preisgekrönte Spielfilm-Debüt der Regisseurin Uisenma Borchu, die in ihrem Film auch die Hauptrolle, Hedi, spielt. Hedi freundet sich mit der alleinerziehenden Iva an. Aus der erst unkomplizierten Frauenfreundschaft wird eine folgenreiche Beziehung. Auch nach diesem Film hat das Publikum die Gelegenheit Fragen zu stellen. Borchu muss dazu allerdings nicht weit anreisen. Geboren wurde sie 1984 in Ulaanbaatar (Mongolei), bereits 1989 kam sie mit ihrer Familie in die DDR. Später studierte Borchu an der HFF in München Regie.