Das Wort Fernsehen suggeriert eine gleichmäßige Distanz zum Geschehen. Einer schaut zu und entscheidet in kühler Abwägung darüber, wie nah er das Gesehene an sich heranlässt. Monsun in Asien, politische Komödie in den USA und Arztserien aus Leipzig – die Herrschaft über die Fernbedienungen lässt viele Aggregatzustände der Rührung, des Entsetzens und der Teilnahmslosigkeit zu. Der Fernseher läuft weiter, sofern der Mechanismus der Selbstabschaltung dem traurigen Zustand des Nicht-wegsehen-Könnens nicht zumindest vorübergehend ein Ende bereitet.

Menschen, auf deren Bildung ein wenig Mühe verwandt worden ist, unterhalten zum Fernsehen ein eher zwiespältiges Verhältnis. Nichts und niemand soll ihnen ungebeten ins Haus kommen. Die Bemerkung: „Ich habe gar keinen Fernseher“, zählt in manchen Kreisen durchaus als Distinktionsgewinn.

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