Alarm, Lesung und Musik: Das Goethe-Institut Ukraine im Berliner Exil

Das Eröffnungsfestival im Kunsthaus Acud zeigt noch bis Sonntag ukrainische Künstler aller Sparten. Das Programm soll ihnen zeitweilig ein Zuhause bieten.    

Die Performance und Installation „Alarm“ verbreitete im Kunsthaus Acud eine Ahnung von Krieg.  
Die Performance und Installation „Alarm“ verbreitete im Kunsthaus Acud eine Ahnung von Krieg. Ksenia Yanko

Wenn man derzeit auf das Kunsthaus Acud in Berlin-Mitte zugeht, blicken einen Kindergesichter an. Einige wirken traurig, verletzt, viele fragend. Ihre Fotos, von Helen Bozhko aufgenommen in der Stadt Lyssytschansk im Oblast Luhansk, füllen die Fenster zur Veteranenstraße aus. Die Ausstellung gehört zum Eröffnungsfestival „Goethe-Institut im Exil: Ukraine“, das am Donnerstag begann. Das Projekt selbst wird zwei Jahre Bestand haben.

Das Publikum ist textsicher

Kulturschaffende, die Russlands Krieg gegen die Ukraine aus der Heimat gedrängt hat, sollen hier eine Möglichkeit haben, in Kontakt zu bleiben und für ein Publikum zu arbeiten. Der erste Abend zeigte, wie viel Bedarf vorhanden ist. Theaterraum, Kinosaal und Club waren sehr dicht gefüllt. Auch im Innenhof drängten sich die Menschen, als ein Künstlerkollektiv mit einer gespenstisch an die Realität der Luftangriffe gemahnenden Licht-Ton-Installation samt Performance „Alarm“ die Dunkelheit aufhob. Noch später am Abend trat der Dichter Serhij Zhadan als energiesprühender Sänger seiner Band Sobaki auf, die meisten tanzenden Menschen sangen textsicher mit, auf Ukrainisch. Bis Sonntag gibt es Aufführungen, Lesungen, Filme, Diskussionen; für Übersetzung ist gesorgt.

2016 bereits hat das Goethe-Institut dieses Weiterarbeiten praktiziert, als die Einrichtung in Syrien geschlossen werden musste. Ab März 2023 ist Afghanistan an der Reihe. Zur Eröffnung erinnerte Ralf Beste, Leiter der Abteilung Kultur beim Auswärtigen Amt, daran, was Exil für das Land bedeutet, das verlassen wird: An Deutschland habe man noch lange nach 1945 gesehen, welche Lücken in der Gesellschaft durch die Flucht von Künstlern und Intellektuellen entstehen. Auch deshalb soll den Ukrainern hier eine Brücke gebaut werden.