Als sie zum ersten Mal die Szene betritt, trägt die junge Frau ein hochgeschlossenes graues Kleid. Als sie gegen ihren Willen an einen Mann verheiratet wird, der ihr Großvater sein könnte, erscheint die Braut in zugeknöpftem Wams und Beinkleidern. Die Anverwandlung an die neutralen Daseinsformen „Nonne“ und „Page“ sind die Schutzhüllen, die sich eine Tochter aus verarmtem Adel zulegt. Eine Protestmontur, die ihr nicht hilft. Angélique de Sancé, schön, stolz, klug, muss den Grafen Joffrey de Peyrac heiraten, weil ihr Vater dafür eine Menge Geld bekommt. Aber es kommt nicht, wie es kommen muss, denn Peyrac respektiert die Stärke und Würde der jungen Frau.

Die Geschichte spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts, erfunden wurde sie von der französischen Autorin Anne Golon in den 1950er-Jahren. Damals habe die Literatur wenig Interesse an Frauen gehabt, erzählt die heute über Neunzigjährige. „Wenn es einen Helden gab, war es ein Mann.“ Nun war der emanzipatorische Gedanke vermutlich nicht der Hauptimpuls für den erfolgreichen Fortsetzungsroman. Aber er ist da, und Ariel Zeitoun schafft es in seiner Verfilmung, die Projektionsvorlage nicht nur zur großen Liebenden, sondern zu einer interessanten Figur zu machen. Die Angélique der Schauspielerin Nora Arnezeder strahlt Unnahbarkeit aus, sie hält ein allzu identifikationshungriges Publikum auf Abstand. Zeitoun lässt ihr Raum für Unergründliches, Zwiespältiges.

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