Der Staat Abchasien ist ein weißer Fleck auf der Weltkarte, er existiert im Grunde nicht. Offiziell noch immer Teil von Georgien, anerkannt nur von Russland, dämmert die einstige „Schwarzmeer-Riviera“ zwanzig Jahre nach dem Unabhängigkeitskrieg isoliert vor sich hin. Der beim Leipziger Festival mit einer „Goldenen Taube“ ausgezeichnete „Domino-Effekt“ ist eine der raren filmischen Exkursionen nach Abchasien. Er bietet nicht nur eine genaue Innenansicht des Zwergenstaates, sondern erreicht eine erstaunliche Nähe zu den Menschen.

Sechsmal reisten die in Deutschland lebenden polnischen Regisseure Elwira Niewiera und Piotr Rosolowski nach Abchasien. Sie führten dort viele Gespräche, beobachten lange und genau, oft auch ohne Kamera, und erwarben sich schließlich das Vertrauen von Natascha und Rafael, deren schwierige Liebesgeschichte dramaturgisch so wirkungsvoll wie in einem fesselnden Spielfilm erzählt wird. Der sympathische Rafael ist Sportminister von Abchasien und träumt davon, seinem Land ausgerechnet mit einer Domino-Weltmeisterschaft internationale Reputation zu verschaffen, was schon etwas skurril, aber auch rührend ist. Darin besteht die große Leistung dieses Films: Er zeigt durchaus die Absurdität dieses Staatsgebildes, liefert aber deren Bewohner nie dem billigen Spott aus.

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