Aus nur einem Grund hat gestern Abend der Film „Grace of Monaco“ das 67. Festival von Cannes eröffnet: Mit dem Aufmarsch von Hollywood-Stars wie Nicole Kidman, Frank Langella, Tim Roth oder auch Parker Posey sollte für einen hinreichend glanzvollen Auftritt auf dem berühmten roten Teppich gesorgt werden.

Es gilt in diesem Fall: Operation gelungen, Patient tot. Denn der neue Spielfilm des französischen Regisseurs Olivier Dahan, der heute gleichzeitig in den deutschen Kinos anläuft, ist eigentlich nicht der Rede wert. Ja, mehr noch: Dieser Auftakt war des weltweit wichtigsten Filmfestivals nicht würdig.

Mit Schmonzette könnte man „Grace of Monaco“ fast noch liebevoll beschreiben. Das Attribut „grottig“ trifft es aber eher. Was sich nicht zuletzt dem Thema verdankt: Wen interessiert heute wohl noch die einstmals sensationelle Beziehung zwischen dem hochadligen Chef eines europäischen Zwergstaates und einer amerikanischen Schauspielerin? Von Illustrierten wie Bunte oder Echo der Frau einmal abgesehen. Deren Leserschaft dürfte der Film allerdings gefallen, der vor allem eines ist: eine hübsch nostalgisch ausgestattete Heiligenlegende.

Berühmte Hitchcock-Blondine

Nicole Kidman verkörpert die 1929 in Philadelphia geborene Grace Kelly, die 1954 für „The Country Girl“ einen Oscar als beste Darstellerin gewann, außerdem zu den berühmten Hitchcock-Blondinen zählte und dem Film entsagte, als sie 1956 Fürst Rainier III. von Monaco heiratete. Dass die inzwischen 46-jährige Kidman hier eine Frau Anfang 30 spielt – Dahans Film konzentriert sich auf die französisch-monegassische Krise Anfang der 1960er – ist ein Problem, das der Regisseur wenig überzeugend mit reichlich Weichzeichner und Filtern zu lösen versucht.

Ein größeres Problem zeigt sich aber darin, dass Kidman schon durch ihre – wenn auch noch so unterspitzte – Mimik immer noch etwas Gewitztes und Keckes, ja Mutwilliges ausstrahlt, das der eleganten, sehr femininen Grace Kelly nicht zu eigen war.

Nun will Olivier Dahan, der mit „La Vie en Rose“ ein schönes Porträt von Edith Piaf inszeniert hat, mit seinem neuen Film auch gar keine zweite Grace Kelly erschaffen – „Grace of Monaco“ sei eine fiktive Darstellung, die von realen Ereignissen inspiriert sei, heißt es zu Beginn des Films. Aber warum dann diese höfische Unterwürfigkeit?

Denn alles ist hier Heldinnengeschichte. Zu Beginn des Films muss indes erst der Versuchung in Gestalt Alfred Hitchcocks widerstanden werden. Der fette Meister reist nämlich persönlich nach Monaco, um Prinzessin Grazia die Hauptrolle in „Marnie“ anzubieten, eine Million Dollar Gage. Da es sich für eine Prinzessin aber nicht ziemt, eine frigide Kleptomanin in einem Film zu spielen, wird einigermaßen Druck ausgeübt auf die soziale Aufsteigerin, die aber noch keiner richtig für voll nimmt.

Und Druck lastet auch auf dem Fürsten Rainier: Der französische Präsident Charles de Gaulle muss den Krieg in Algerien finanzieren und fordert die monegassischen Steuereinnahmen. Da sich der freiheitlich gesinnte Fürst aber weigert, wird Monaco blockiert von le Grande Nation; eine Invasion droht sogar.

So öde wie unglaubwürdig

In dieser Situation wird der furchtlosen Grace nun klar, dass sie sich entscheiden muss – und sie entscheidet sich nicht allein für ihre Familie und das kleine Reich, sondern auch dafür, sich vollkommen anzupassen, in der neuen Rolle aufzugehen.

Im Film spielt Nicole Kidman also die Rolle einer Frau, die mit der Rolle Ihrer Hoheit die Rolle ihres Lebens spielen muss und will. Und das tut Kidman leider nicht sehr gut, woran auch Olivier Dahans Anleitung schuld sein mag. Denn sein Porträt der Fürstin Grazia Patrizia ist so öde wie unglaubwürdig: Schönheit, Liebende, tolle Mutter, Stil-Ikone, Super-Diplomatin – ja, was war diese Frau denn nicht noch alles! Hat sie nicht wenigstens ab und an ein bisschen gezickt – schließlich war sie mal ein Hollywood-Star!

Vielleicht hätte sich das Haus Grimaldi „Grace of Monaco“ erst anschauen sollen, bevor es so vehement gegen den Film protestierte. Denn eine so (film)reife Leistung in Sachen PR werden die Pressestrategen von Fürst Albert II. wohl kaum abliefern können.

Fürst Rainier III. von Monaco hatte die US-amerikanische Schauspielerin Grace Kelly übrigens 1955 bei den Filmfestspielen von Cannes kennengelernt. Hoffentlich ist in diesem Jahr kein Hochadel unter den Gala-Gästen.