Das Adjektiv „harmlos“ hat in Kritiken selten einen guten Klang. Meist ist es die Präambel einer Schmähung, oft die Chiffre einer Enttäuschung. Es unterstellt eine Beißhemmung, eine Ausflucht in die Versöhnlichkeit. Andererseits – gibt es eine eherne Regel, derzufolge Kunstwerke Schaden anrichten müssen, um ihre Existenz zu rechtfertigen?

In der Tat, von einem altgedienten Unruhestifter wie Bernardo Bertolucci hätte man nun wirklich Provokanteres erwarten dürfen. Sein Comeback nach zehn Jahren des Schweigens erfindet die Filmsprache nicht neu. Es lässt sich nur mit Mühe hochrechnen zu einer Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Italien. Der erzählerische Radius von „Ich und du“ ist begrenzt, erfüllt sich in einer fast heiteren Bescheidenheit und Konzentration. Er beschränkt sich auf das zugeneigte Porträt zweier Heranwachsender, die man gemeinhin als Problemkinder bezeichnen würde. Das Ende bleibt offen, entlässt den Zuschauer aber nicht ernsthaft in Sorge über den Fortgang der zwei Lebenswege, die sich für eine kurze Zeit kreuzen. Die Harmlosigkeit dieses Films ist eine helle Freude.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.