Zwei Sätze werden im Laufe dieses Films mehrfach und von unterschiedlichen Personen gebraucht, der eine: „I’m working on it“ – Ich arbeite dran. Und der andere: „I’ll figure something out“ – Ich denk mir was aus. Es sind dramaturgische Leitsätze, sie liefern das Motto der Handlung und sie werden eingesetzt wie Beschwörungsformeln, wenn die Lage aussichtslos scheint und die Aufgabe unlösbar; „Mission: Impossible“ eben.

Wenn also beispielsweise der Agent Ethan Hunt, unser Held, in einem brennenden Helikopter hinter einem anderen Helikopter herfliegt, aus dem Maschinengewehrsalven auf ihn abgefeuert werden. Von denen darf sich Hunt ebensowenig irritieren lassen wie davon, dass er eigentlich nicht Heli fliegen kann, denn der Bösewicht im verfolgten Fluggerät hält einen Zeitzünder in Händen, der entschärft werden muss. Unnötig zu sagen, dass zum Zeitpunkt des halsbrecherischen Geschehens die Uhr auf fünf Sekunden vor Zwölf steht und bereits allen allerorten die Hüte brennen.

Ein Action-Feuerwerk

Aber wie lautet wiederum das Motto des Terroristen, den Hunt und sein getreues Team auf ihrer unmöglichen Mission – die Regisseur Christopher McQuarrie diesmal unter den Titel „Fallout“ gestellt hat – dingfest und unschädlich zu machen versuchen? „Es kann keinen Frieden ohne Leiden geben und je größer das Leiden umso tiefer der Frieden.“ Seltsame Logik eines Verbrechergehirns, allerdings auch die eines Masterminds, dessen krimineller Einfallsreichtum nur noch von seiner Skrupellosigkeit übertroffen wird.

Der Mann heißt Solomon Lane, ist bekannt aus „Mission: Impossible – Rogue Nation“ und hat einen starken Willen; über einen ebensolchen verfügt aber auch Ethan Hunt; und also geht es alsbald recht vehement zur Sache und schaffen Sturschädel Fakten. Zumal es Hunt selbst war, der das Schlamassel angerichtet hat, als er – und das ist sein ewiges Dilemma – im entscheidenden Moment die Wahl zwischen der Rettung des einen Lebens und der von Millionen nicht (rechtzeitig) treffen konnte.

Inmitten des gewaltigen Action-Feuerwerks, das McQuarrie und sein Hauptdarsteller und Produzent Tom Cruise in „Mission: Impossible – Fallout“ abbrennen, steht also eine berechtigte moralische Frage und wartet gelassen auf die ihr angemessene Antwort. Während um sie her der Teufel los ist, die Allianzen in atemberaubendem Tempo wechseln und die Serien-typischen Maskenspiele gespielt werden, wird diese Frage immer wieder neu gedreht und gewendet; sie wird von allen Seiten reflektiert und wirkt sinnstiftend zurück auf die Handlung.

Darüber hinaus sind im sechsten Eintrag des 1996 angestoßenen Filmfranchise, das auf der in den Siebzigerjahren populären, gleichnamigen TV-Serie beruht, die hohe Kunst des Entertainments und das gediegene Stunt-Handwerk mit geradezu beglückendem Effekt zur Deckungsgleiche gebracht. McQuarrie choreografiert die vor kinetischer Energie schier berstenden Setpieces mit der Eleganz eines Ballettmeisters und insbesondere mit der in Paris angesiedelten Sequenz gelingt ihm ein geradezu surreales Meisterstück, das die labyrinthisch gefilmte Architektur höchst elegant zur Metapher der verwickelten Handlung werden lässt.

Tom Cruise schont sich nicht

Cruise wirft sich derweil mit der beträchtlichen Überzeugungskraft eines der letzten großen Hollywoodstars, der sich die Unterhaltung seines Publikums zur unbedingten Pflicht und Aufgabe gewählt hat, ins Geschehen und schont sich nicht.

Seine Mitstreiter – unter anderem Ving Rhames, Simon Pegg und Sean Harris, allen voran aber Superman Henry Cavill mit dem zwielichtigen Schnäuzer – sind nicht minder engagiert bei der Sache. „Fallout“ ist daher nicht nur ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein ordentlicher Actionkracher der höchsten Kategorie „Brett“ gehört, sondern auch der Beweis dafür, dass ein starker Wille die Gesetze der Physik außer Kraft setzen sowie die Kleingläubigkeit des Publikums kurieren kann. Unmöglich ist hier allenfalls, innerhalb der Grenzen des Möglichen zu bleiben. Denn das Mögliche ist bekanntlich langweilig und langweilig kommt nicht in Cruisens Tüte.

„Mission: Impossible – Fallout“, USA 2018. Regie, Drehbuch: Christopher McQuarrie, Kamera: Rob Hardy, Musik: Lorne Balfe, Darsteller: Tom Cruise, Ving Rhames, Simon Pegg u.a., 147 Minuten, Farbe, FSK ab 12.

Ab dem 2. August im Kino.