Pusteblumen im Sommerwind, saftig die Wiese, der Himmel so blau, ein Bild wie aus Liedern vom Schnitter Tod: „Es ging ein Maidlein zarte wohl durch das grüne Gras“. Hier aber ist es ein Junge, nicht weniger zart, der durch das Gras geht und dichtet: „Es weinen leise die Schleie. Im Garten wächst Mangold und Kleie. Der Specht kommt vorbei, vorhin sang er: ,Tirilei’. Der Pächter erschrak im Sarg, wo er mit der Biene lag. Es summt die Biene im Sarg. Das Mahl ist sehr karg, sehr karg“. Holger Mischwitzky hieß der Junge, der damals, vor mehr als fünfzig Jahren, durch die Wiesen schlich. „In der Einsamkeit von Praunheim träumte ich, ein großer Künstler zu werden“, sagt Rosa von Praunheim, wie Holger Mischwitzky sich seit langem nennt.

„Praunheim Memoires“ heißt sein neuester Dokumentarfilm. Bereits der Titel spielt mit der Tatsache, dass Praunheim, ein Stadtteil von Frankfurt am Main, heute eher als Nachname eines ebenso schöpferischen wie tumultverliebten Künstlers bekannt ist und weniger als Ortsbezeichnung. „Praunheim Memoires“ sind nämlich ebenso sehr Erinnerungen von Rosa von Praunheim wie sie Erinnerungen an Praunheim sind, wo der Maler, Tänzer, Filmemacher und Schwulenaktivist seine Jugend verbrachte. „Hier küsste ich die Gabi, hier küsste ich den Klaus“, singt die Band Baby of Control im Praunheim-Lied, das sich durch den ganzen schönen Film schlängelt.

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