Gut aussehen wollen alle. Ohne Attraktivität hat man heutzutage nirgendwo Erfolg. Prominent zu sein, scheint vorsichtigeren Zeitgenossen allerdings weniger erstrebenswert – schließlich führen einem die Klatschmagazine Woche um Woche vor, wie lästig es doch ist, unablässig von Paparazzi verfolgt zu werden und kaum einen privaten Moment genießen zu dürfen. Das kassiert die Vorteile der Prominenz schnell ein.

Celebrities sind indes die Leitbilder der modernen Medienkultur. Als das Internet irgendwann in den 1990ern populär wurde, begannen die Celebs all jene durch Verdienst oder Stand berühmt gewordenen Persönlichkeiten zu ersetzen, die bis dahin unseren Begriff von Berühmtheiten prägten. Celebs stahlen sogar den richtigen Stars etwas von deren Glanz – einfach dadurch, dass sie ihren eigenen Dunstkreis aus Scheinbedeutung durch permanente Präsenz am Glimmen hielten. Plötzlich fanden Teenager Paris Hilton toll, obwohl die Hotel-Erbin weder einen Kino- noch einen Radio-Hit zu bieten hatte. Die Präsenz diverser Celeb-Stile, vielmehr Styles, rangierte nämlich vor Inhalten – und schuf seine eigenen Inhalte und Oberflächen, gerade medial.

Diese Vorrede war notwendig, denn genau darüber hat die sehr begabte Regisseurin Sofia Coppola, mehrfach preisgekrönt und Tochter des legendären Francis Ford, nun einen Film gedreht, der passenderweise „The Bling Ring“ betitelt ist. „Bling“ bezeichnet im US-Slang nun Glanz und Glimmer allgemein, aber auch Juwelen, und Coppolas Film erzählt vom wahren Fall einer Teenager-Bande, die in den Nobelvierteln von Los Angeles immer wieder in Prominentenvillen einbrach. Und zwar nicht so sehr aus Gier! Natürlich ließen diese Mädchen und der eine schwule Junge, der dabei war, bei ihren Streifzügen jede Menge echten Schmuck, Luxus-Handtaschen und Designer-Klamotten mitgehen sowie diese und jene schlecht versteckte Droge. Aber ums Stehlen ging es nicht allein. Es ging den minderjährigen Straftätern vielmehr darum, sich ganz als Teil jener Celeb-Kultur zu fühlen, die sie prägte, die sie via Klatschmagazine, Internet und Fernsehen aufgesogen hatten wie Schwämme. Kurzum, diese komplett hirngewaschenen Halbwüchsigen wollten ihren Idolen besonders nahe kommen, und das taten sie ja auch, indem sie sich eben einfach die Dingwelt von Paris Hilton, Lindsay Lohan oder auch Orlando Bloom aneigneten. Klingt logisch, oder?

Das also ist die Geschichte, die Sofia Coppola inszeniert: Sie zeigt uns, wie diese Teenager, die einerseits durch die Medien hysterisiert sind, andererseits aber absolut überlegt und clever handeln, ihre Diebstähle quasi wie Partys durchziehen. Wie sie immer wieder „Oh Gott, Chanel!“, „Oh, ich liebe Azzedine Alaia“, „Himmel, Dior, Gucci!“ kreischen, während sie sich in den weitläufigen, begehbaren Kleiderschränken und Schuhzimmern der Promis umtun oder aber deren Champagner schlürfen, wobei sie auf sonderangefertigten Fauteuils lümmeln.

Wenn man als Zuschauer einen Sinn für all den Promi-Bling hat, wenn man das unterhaltsam findet, wird man sich in diesem Film köstlich amüsieren! Besonders, wenn es um Paris Hilton geht, die für die Dreharbeiten tatsächlich ihr Haus in Los Angeles geöffnet hatte. Ein Zeichen von Souveränität? Oder doch nur von Blödheit? Jedenfalls ist das dann der Hammer: Überall in Paris Hiltons nicht sonderlich geschmackvoll eingerichtetem Haus hängen Porträts von Paris Hilton; ja sogar die Sofakissen sind damit bedruckt. Hat die Frau Angst zu vergessen, wie sie aussieht? Falls das so sein sollte, so braucht sie ja nur Klatschmagazine oder entsprechende Internetseiten zu Hilfe nehmen!

Das tun nämlich auch diese Teenager: So informieren sie sich über die Abwesenheiten ihrer Opfer. Aha, Paris Hilton ist bei den Modenschauen in Paris. Dann nichts wie hin zu ihrer Villa in West-Hollywood! Dass die Alarmanlagen nie eingeschaltet sind, der Schlüssel mitunter sogar unter dem Fußabtreter liegt und jegliches Dienstpersonal durch Abwesenheit glänzt, mag dem Zuschauer unwahrscheinlich vorkommen. Aber so war es tatsächlich; Grundlage des Films ist eine Reportage im Magazin Vanity Fair mit dem Titel „Die Verdächtigen trugen Louboutin“ (sprich: extrem teure Pumps).

Die mediale Selbstbezüglichkeit des ganzen Unterfangens – also die Verklammerung von Celeb-Kultur und Medien, deren Folgen und diesem Film – spiegelt Sofia Coppola dann ganz bedacht in ihrem Bravourstück über Glamour und gestohlenen Glanz, über Posen und Image. Wenn die nunmehr von der Polizei gefassten Teenager durch ihre Taten am Ende selbst zu Pseudo-Berühmtheiten geworden sind, versuchen sie skrupellos, die Medien für sich zu nutzen. Ihre Geschichte profitabel zu verkaufen und Sympathien einzuwerben, um das Strafmaß zu verringern. Es nutzt aber nicht viel, weil es tatsächlich immer noch Leute gibt, denen Promis und Klatschmagazine vollkommen gleichgültig sind. Etwa der eine oder andere Jurist.

The Bling Ring

USA 2013. 91 Minuten, Farbe. FSK ab 12.

Drehbuch & Regie: Sofia Coppola

Kamera: Harris Savides, Christopher Blauvelt

Darsteller: Katie Chang, Israel Broussard, Emma Watson, Leslie Mann u. a.

Ab Donnerstag im Kino.