Die meisten Independent-Filmer kommen, wie man so sagt, von der Story. William Eubank kommt vom Set-Design, und der legendäre Stanley Kubrick ist sein Vorbild. Schon Eubanks Weltraumfilm „Love“, der auf Festivals vielbeachtet wurde, erinnerte schwer an den Meister – was nicht nur an den Effekten lag, die heute natürlich viel billiger sind als zu Zeiten von „2001: Odyssee im Weltraum“. Für den Nachfolgefilm „The Signal“ hat Eubank das Set unter die Erde verlegt: Eine blitzblank weiße Intensivstation ungewissen Zwecks ist bevölkert von überirdischen Gestalten in Schutzanzügen. Das Design soll uns einschüchtern und verwirren, genau wie die drei naseweisen Helden der Story, die es nebenbei auch noch gibt.

Nach einer etwas rumpelnden Vorgeschichte – das mysteriöse „Signal“ eines Hackers hat sie hierher gebracht – erwachen sie in diesem Alptraum in Weiß. Gestern noch Computer-Nerds auf Durchreise, sehen sie sich nun als Gefangene eines wohlmeinenden Fragenstellers mit dem Gesicht von Laurence Fishburne (u.a. „Matrix“). Es geht um körperverändernde Viren und Modulationen, den möglichen Kontakt mit einer außerirdischen Kraft. All das ist unmittelbar virulent im Blick auf die Hauptfigur Nic (Brenton Thwaites), der nur äußerlich ein kraftstrotzender Bursche ist. Er geht auf Krücken. Eine Art Muskelschwäche hat seit längerem von ihm Besitz ergriffen – ein wichtiges und psychologisch durchaus sensibel durchgeführtes Motiv in seiner Beziehung zu Haley (Olivia Cooke). Wo ist sie, und vor allem: in welchem Zustand? Das frühere Thema des Regisseurs William Eubank schimmert hier durch – die Liebe.

Nun ist der 31-jährige Filmemacher mit seiner Science-Fiction-Begeisterung nicht allein. Auch Kollegen wie Mike Cahill („Another Earth“) und Shane Carruth („Upstream Color“) nutzen Zukunftsszenarien, um andere Geschichten zu erzählen – fern von Hollywood, mit ureigener Sensibilität. Sparsam eingesetzte digitale Effekte paaren sich dabei mit dem Charme eines experimentellen Studentenfilms. Das ist eine Entwicklung, die allein schon mit Blick auf William Eubanks Figuren, Eliteschüler des berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT), logisch erscheint. Doch diesen sperrigen Charme schüttelt der gelernte Kameramann schnell ab. Nach und nach gewinnt man den Eindruck, sein Film sei weniger eine Alternative zu, als eine Visitenkarte für Hollywood.

Die visuelle und geistige Nähe zu Superheldenfilmen wie „X-Men“ wird gegen Ende von „The Signal“ geradezu manifest. Wünscht man sich die Einflussbeziehungen von – in Ermangelung besserer Begriffe – Mainstream und Independent-Kino eigentlich nicht andersherum? Soviel Romantik muss sein, soll Eubanks Verdienste aber nicht schmälern. Nicht nur ist hier das Set-Design großartig – letztlich zielt auch das gesamte Story-Design darauf ab, die eigenen Schwächen und Beschränkungen zu Stärken zu formen. So betrachtet, hat Eubank doch keine Kopie gemacht, sondern einen sehr persönlichen Film.

The Signal USA 2014. Regie: William Eubank, Drehbuch: William Eubank, Carlyle Eubank, David Frigerio, Kamera: David Lanzenberg, Darsteller: Brenton Thwaites, Robert Longstreet, Laurence Fishburne u.a.; 95 Minuten, Farbe. FSK 12.