Arnold Albertson, seines Zeichens Broadway-Regisseur mit ausgeprägtem Hang zum Seitensprung, erzählt seinen Liebschaften gern eine bestimmte Geschichte – vor allem, wenn er mit den Damen in der Pferdekutsche durch den Central Park rollt. Die Geschichte heißt „Squirrels to the Nuts“, dreht sich also um die Eichhörnchen und das Füttern mit Nüssen, und sie versetzt Arnolds Bekanntschaften zuverlässig in Entzücken. So ein sensibler Mann! Die Geschichte ist allerdings nicht von Arnold, sondern geklaut aus Ernst Lubitschs letztem Film mit dem bezeichnenden Titel „Cluny Brown auf Freiersfüßen“, den sich der Broadway-Schöngeist vermutlich mehrmals angeschaut hat.

Diese Form der Anspielung hat System in Peter Bogdanovichs Komödie „Broadway Therapy“, die unter ihrem Originaltitel „She’s funny that Way“ 2014 beim Festival von Venedig lief und ursprünglich „Squirrels to the Nuts“ heißen sollte. Ein ehrliches, unverstelltes Spiel treibt hier keiner, im Grunde auch der Film selbst nicht, den sich der legendäre Bogdanovich („Paper Moon“) als Alterswerk selbst zum Geschenk macht: als schöne Hommage an die Screwball-Comedy traditioneller Prägung und gleichzeitig als deren ironische Unterwanderung.

Klappernde Türen

Im Mittelpunkt steht Izzy (Imogen Poots), die ihre schauspielerischen Ambitionen ihrem Brotberuf als Callgirl unterordnen muss. In diesem allerdings hat sie Erfolg: Sie ist nicht allein Arnolds bevorzugte Bettgenossin, sondern auch die einer Reihe betagter Herren, denen sie im Lauf des Films peinliche Auftritte als alte Böcke beschert.

Bei Peter Bogdanovich lernen Prostituierte viele lustige Männer kennen: Arnold zum Beispiel hat es sich zur Gewohnheit gemacht, die Liebesdienste mit einem Honorar von 30 000 Dollar zu vergüten – unter der Voraussetzung, dass die Beschenkten das Geld dazu nutzen, in einen ordentlichen Traumberuf zu investieren. Keine Frage, eine gute Portion Altherrenhumor gehört in „Broadway Therapy“ zur Geschäftsgrundlage, was allerdings durch den Umstand gemildert wird, dass sich hier ausnahmslos jeder zum Idioten macht.

Der Atem der Nostalgie durchweht entschieden diesen Film. In diversen New Yorker Luxushotels lassen sich die Beteiligten in plüschige Betten plumpsen; das Theater, in dem Arnold ein neues Stück inszeniert, ist ein Traum in Stuck; und dass wie in einer Komödie von Lubitsch das Auf- und Zuschlagen der Türen Takt und Rhythmus der Pointen vorgibt – wen wundert es bei einem Film, der im Original nach einem Song von Frank Sinatra betitelt ist?

Peter Bogdanovich kennt seine Filmgeschichte eben aus dem Effeff. Nachdem er zunächst Kritiken geschrieben hatte, verfasste er Biografien von Kinogrößen wie Orson Welles und Alfred Hitchcock – zu wirklicher Handschrift aber fand er, als er selbst Regie führte, und zwar äußerst stil- und genrebewusst: „Is’ was, Doc“ mit Barbra Streisand gilt bis heute als Musterbeispiel der Screwball-Komödie, des Hin und Her der Punchlines, die auch in „Broadway Therapy“ präzise sitzen. „Paper Moon“ war Bogdanovichs Sittengemälde über die Depression der 1930er, geformt als Roadmovie auf den staubigen Straßen von Kansas. Zwar ist es in letzter Zeit stiller um den Meister geworden – zehn Jahre sind seit seinem letzten Kinowerk vergangen –, doch auch für seinen neuen Film konnte Bogdanovich darauf vertrauen, dass die Stars kommen, wenn er sie ruft.

„Broadway Therapy“ ist in erster Linie und mit aller Kraft ein hochtouriger, temperamentvoller Schauspielerfilm. Vor allem ist es die wunderbar aufgekratzte Imogen Poots, die als Izzy mit ihrer Lebensbeichte für ein Hochglanzmagazin den Handlungsrahmen vorgibt und Tempo und Stimmung prägt. Owen Wilson als leicht vertrotteltem Arnold nimmt man sofort ab, dass er dieser blondierten Traumfrau, die völlig ohne Allüren auskommt, verfällt – selbst wenn er mit Kathryn Hahn als seiner schauspielernden Ehefrau Delta eine wahre Muse an seiner Seite hat, der wiederum Arnolds eigener Hauptdarsteller Seth (Rhys Ifans) schöne Augen macht. Die Frage, wer mit wem schläft, mag in diesem Fall nicht besonders tiefsinnig sein – für Kurzweil sorgt sie allemal. Selbst Jennifer Aniston ist komisch als völlig überforderte Psychotherapeutin, weil eigentlich sie den dringendsten Therapiebedarf hat.

Mit diesem All-Star-Ensemble also vermisst Bogdanovich noch einmal souverän das Gelände der klassischen Komödie, mit Verwechslungen und Verwirrungen, romantischen Überraschungen und mit Austin Pendleton, der als liebestoller Richter Pendergast für die Running Gags sorgt. Gastauftritte von Tatum O’Neal und Quentin Tarantino gibt es quasi gratis dazu. „Squirrels to the Nuts“ – nicht die Nüsse werden an die Eichhörnchen verfüttert, sondern die Eichhörnchen an die Nüsse. Die Welt steht Kopf – so muss es sein in der Komödie, und genau diese Bewegung hat Bogdanovich im Griff, ein wenig routiniert, aber ohne Zweifel virtuos.