Endlich. Nachdem in letzter Zeit die halbe Nation darüber debattiert, inwieweit Männer noch Männer sind, kommt nun ein Film in die Kinos, der erzählt, wie es früher so war mit dem Mannsein: „Zorn der Titanen“ in der Regie von Jonathan Liebesman. Ein Film, in dem noch echte Kerle vorkommen, die Verantwortung übernehmen und bis zum Ende kämpfen. Oder immerhin die Größe besitzen, dem Anderen zu verzeihen, bevor es zu spät ist.

Zehn Jahre sind vergangen, seit der Halbgott Perseus (Sam Worthington) eine Riesenkrake besiegt hat. Mittlerweile hat er sich zurückgezogen, um als Fischer und alleinerziehender Vater ein bodenständiges Dasein zu fristen. Seinen Sohn Helius (John Bell) möchte er zu einem friedliebenden Menschen erziehen. Kein Schwert soll er jemals in die Hand bekommen. So ein Plan kann nur schiefgehen. Vor allem, wenn der Vater zum Auftakt der Geschichte im Alleingang eine dreiköpfige Chimäre erledigt, mit Hilfe eines Schwerts und fast bösartiger Raffinesse. Da kann der Sohn doch nur was lernen!

Griechische Mythologie als Staffage

Und auch Perseus muss sich eingestehen, dass sein Lebensentwurf nicht so aufgeht, wie er sich das vorgestellt hat. Die Götter sind in Not, allen voran sein Vater Zeus (Liam Neeson), der von seinem Bruder Hades (Ralph Fiennes) und seinem Sohn Ares (Édgar Ramírez) hintergangen wird. Diese verbünden sich mit dem Titanen Kronos und locken Zeus in eine Falle. Sie ketten ihn an und betanken Kronos mit Zeus’ göttlicher Kraft.

Perseus, der ja eigentlich keine Lust hatte, sich weiter mit göttlichen Sperenzchen zu befassen, muss nun handeln. Es geht schließlich um die Rettung der Welt. Er formt ein schlagkräftiges Team, bestehend aus sich selbst, der griechischen Königin Andromeda (Rosamund Pike) und dem verzottelten Halbgott Argenor (Toby Kebbell), der praktischerweise nebenan im königlichen Privatkerker sitzt.

Die griechische Mythologie ist hier reine Staffage, der sich Hollywood indes gern bedient, um größtmögliches Rambazamba zu veranstalten. Verschiedene finstere Rivalen und das vom Minotaurus bewachte Labyrinth müssen bezwungen werden, um ins Zentrum der Unterwelt zu gelangen, wo Zeus gefangen ist.

In diesem Epos der Männlichkeit ist Andromeda die einzige Frau, die ihren Anteil an der Action hat. Die ist dafür eine echte Rock’n’Rollerin, die keinem Kampf aus dem Weg geht und auch noch sexy daherkommt. Ein wenig erinnert sie optisch an die Popsängerin Shakira, die dafür bekannt ist, sich problemlos zwischen Bauchtanz und Fußballhymnen zu bewegen.

Passenderweise verzichtet dieser Film auf jedwede Art von tiefgründigem Dialog. Die Sätze werden kurz gehalten, wenngleich sie vor Pathos triefen, inklusive wohlgesetzter Kunstpausen. Wenn sich die Götter nicht sehen, kommunizieren sie dadurch, dass sie sich gegenseitig anbeten. „Bruder, ich bete dich an“, beschwört Perseus den Ares, um ihm vorzuschlagen, sich im Tempel der Götter zu kloppen. „Bruder, ich höre dich“, antwortet Ares und sagt sofort zur geplanten Schlägerei zu.

Kurze Sätze, das Wesentliche mit Fäusten klären. Echte Kerle halt.

Zorn der Titanen (Wrath of the Titans) USA 2012. Regie: Jonathan Liebesman, Darsteller: Sam Worthington, Ralph Fiennes, Liam Neeson u. a.; 99 Min., Farbe. FSK ab 12.