Filmfestival Cottbus beginnt

Das Kino aus Osteuropa ist vielfältig. Das zeigt auch in diesem Jahr das Filmfestival Cottbus mit Produktionen aus 48 Ländern. Die Ukraine nimmt einen großen...

HANDOUT - Die Stadthalle in Cottbus ist das Zentrum des Filmfestivals Cottbus.  ild
HANDOUT - Die Stadthalle in Cottbus ist das Zentrum des Filmfestivals Cottbus. ildFilmfestival Cottbus/dpa/Archivb

Cottbus-Unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beginnt an diesem Dienstag (19.00) das diesjährige Festival des osteuropäischen Films in Cottbus (FFC). Es ist eines der weltweit führenden Foren für das Kino in Osteuropa. In diesem Jahr wird der Ukraine noch mehr Präsenz eingeräumt, als ohnehin angedacht, wie Programmdirektor Bernd Buder der Deutschen Presse-Agentur sagt. Das sei nicht schwer, das Land gehöre zu einer der kreativsten Filmlandschaften Europas. So wird die Schau auch mit einem ukrainischen Film, der Komödie „Luxembourg Luxembourg“, eröffnet.

Filme über Russland werden gezeigt, von russischen Filmschaffenden aber nicht - bis auf eine Dokumentarfilmerin. Buder macht klar: „Es ist überhaupt nicht an der Zeit, russisches Kino zu feiern.“ Die Entscheidung dafür sei im Team eindeutig gewesen. Gleichwohl macht Buder keinen Hehl daraus, dass die Einschätzung als Kulturinstitution nicht einfach gewesen sei. Immerhin werde ein Land boykottiert, das Festival verstehe sich andererseits nach wie vor als Ort des Dialogs.

Buder berichtet von der Situation der ukrainischen Regisseure, die teilweise unter widrigen Bedingungen arbeiten und leben. „Es gab einige Mails von Filmschaffenden, wo Regisseure uns gesagt haben: Entschuldigung, dass ich nicht geantwortet habe, ich war an der Front“, erzählt der Programmdirektor.

Beim Festival ist die Ukraine in fast jeder Sparte mit einem Film im Programm. Ukranische Geflüchtete haben an diesem Tag die Möglichkeit, die Filme mit Vorlage ihres Reisepasses umsonst zu sehen.

Russische Filme werden nicht grundsätzlich ausgeschlossen, so Buder. Zahlreiche Filmschaffende hätten in den vergangenen Monaten Russland aus Protest den Rücken gekehrt oder äußerten sich trotz aller Gefahren kritisch im eigenen Land. Auch ihnen wolle man die Hand reichen und eine Stimme verleihen. So läuft im Programm der laut Buder unabhängige Dokumentarfilm „The Case“ der russischen Regisseurin Nina Guseva über eine Menschenrechtsanwältin, die einen Anti-Putin Demonstranten verteidigt. Laut Buder ist es schwierig, nachzuvollziehen, wie unabhängig Filme aus Russland entstanden sind.

Insgesamt 219 Filme aus 48 Produktionsländern werden in diesem Jahr in Cottbus gezeigt - von einer estnischen Komödie, die an den Stil des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki erinnert, bis hin zum polnischen Film, der das Thema Homosexualität in der Provinz zum Thema hat. In drei Wettbewerben werden von einer international besetzten Festivaljury der beste Spielfilm gekürt, die beste Regieleistung und die beste darstellerische Einzelleistung.