Vor 30 Jahren erfüllten sich einige Cineasten in Cottbus ihren Lebenstraum. Nachdem dank des Herbstes 1989 endlich die ewigen Reglementierungen bei der Filmbeschaffung weggefallen waren, wollten sie nun ein eigenes Festival aus der Taufe heben: ohne Zensur und ohne Grenzen. Lutz Hattenbach und seine Mitstreiter vom Cottbusser Filmclub standen damals in engem Kontakt mit den Machern des Max-Ophüls-Festivals in Saarbrücken, seit 1987 Partnerstadt von Cottbus. So lag es nahe, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten und deren Erfahrungen zu nutzen.

Am 2. November 1990 war es dann soweit: Die erste Ausgabe des Cottbusser Festivals fand als Übernahme des Wettbewerbsprogramms aus Saarbrücken statt. An diesem Anfang stand also bereits ein Brückenschlag von West nach Ost, zwischen der deutsch-französischen Grenze zu jener nach Polen – welch ein schöner, symbolischer Akt! Schon drei Jahre später besannen sich die Cottbusser Festivalmacher auf ihre kulturelle Sozialisierung in der DDR. Hier war der Einfluss durch Osteuropa zwar nicht freiwillig, aber doch reich an Prägungen gewesen. Besorgt um neue Blockbildungen, wurde die Idee des Brückenschlags von 1990 weitergedacht. Ab 1993 waren dann neben deutschen Filmen solche aus dem gesamten einstigen Ostblock zu sehen, inklusive der sowjetischen Nachfolgestaaten und zuzüglich Ex-Jugoslawiens. Es gibt weltweit kein Festival, an dessen Programm die Verwerfungen jener Regionen während der letzten 30 Jahre so eindringlich abgelesen werden können.

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