Berlinale Special Gala: Rebecca Miller, eine Frau mit vielen Talenten

Die Regisseurin des Berlinale-Eröffnungsfilms „She Came to Me“ liebt Verwandlungen. Und sie stammt aus einer berühmten Familie. Ein Porträt.

Rebecca Miller im Jahr 2016 vor der Berlinale-Fotowand. Damals präsentierte sie ihren Film „Maggie’s Plan“.
Rebecca Miller im Jahr 2016 vor der Berlinale-Fotowand. Damals präsentierte sie ihren Film „Maggie’s Plan“.John MacDougall/AFP

Wäre jetzt nicht Berlinale, und würden die 73. Internationalen Filmfestspiele Berlin nicht am Donnerstagabend mit „She Came to Me“ von Rebecca Miller beginnen, könnte man noch ganz andere Sachen über die Regisseurin erzählen. Erst einmal das: Es ist ihr sechster Spielfilm, der dritte, den sie in Berlin präsentiert. 2009 hat sie mit „The Private Lives Of Pippa Lee“ am Wettbewerb teilgenommen, 2016 lief „Maggie’s Plan“ in der Sektion Panorama. Es liegen immer sieben Jahre dazwischen, eine interessante Regel.

Diesmal heißt die Rubrik im Programmkalender Berlinale Special Gala, in der besondere Premieren laufen, ausgewählt vom Künstlerischen Leiter Carlo Chatrian. Der preist den von Rebecca Miller geschriebenen und inszenierten Film als „unwiderstehliche Komödie“. Wie wir den Berlinale-Chef kennen, meint er nicht nur Humor, sondern auch gedankliche Tiefe. Zumal die Zusammenfassung der Handlung das Zusammentreffen von Generationen ankündigt und neben originellen Berufen (Opernkomponist, Schlepperkapitänin) auch anschauliche Tics (Ordnungswahn, Leidenschaft für historische Reenactments).

Das Schreiben als Lückenfüller

Rebecca Miller lässt ihre Figuren gern Wandlungen durchlaufen, sie lehrt uns Zuschauer das Staunen über die Vielzahl der Rollen, die ein Mensch in seinem Leben spielen kann. Das könnte damit zu tun haben, dass sie selbst über verschiedene Talente verfügt, die sie vor Publikum ausprobiert hat, zum Beispiel als Malerin, Bildhauerin, als Schauspielerin und Schriftstellerin. Das Schreiben war anfangs ein Lückenfüller ihrer filmischen Arbeit, um die Zeit des Wartens auf die Finanzierung ihrer Projekte zu überbrücken.

Deutschsprachige Leser lernten sie 2002 durch ein Buch kennen mit Kurzgeschichten unter dem langen Titel „Als sie seine Schuhe sah, wusste sie, dass sie ihren Mann verlassen würde“. 2015 kam der Metamorphosen-Roman „Jacobs wundersame Wiederkehr“ heraus und gerade ist ein neues Buch mit Kurzgeschichten auf Englisch erschienen: „Total“.

Erzählen könnte man gelegentlich ausführlicher, dass die heute 60-Jährige es von klein auf als selbstverständlich erlebt hat, sich künstlerisch auszudrücken. Ihr Vater ist der Schriftsteller Arthur Miller (1915–2005). Sie porträtierte ihn in einem Dokumentarfilm. Ihre Mutter ist die Magnum-Fotografin Inge Morath (1923–2002). Die erfolgreiche Frau Miller hat zwei Söhne großgezogen und ist schon lange mit einem erfolgreichen Mann verheiratet: dem Schauspieler Daniel Day-Lewis.