Ava Gardner in dem Film  Pandora und der fliegende Holländer.
Foto: imago images/Mary Evans

BerlinDie Männer umschwirren sie wie die Motten das Licht. Und verbrennen sich, natürlich. Kaum fünf Minuten sind vergangen, da fällt der erste schon tot um. Reggie Demarest, der nicht erhört wurde von Pandora Reynolds, der betörend schönen Nachtclub-Sängerin, trinkt Gift und sinkt zu ihren Füßen nieder. Was sie nicht anficht, also geht sie selbstverständlich auch nicht zu des Narren Beerdigung. Einmal mehr raunen die Freunde und Bekannten hinter vorgehaltener Hand von Pandoras Grausamkeit und Kälte. Dabei ist sie im Grunde weder kalt noch grausam, sondern eher mutwillig-verspielt wie die Katze, die sich mit der Maus die Zeit vertreibt. Und ohnehin wird sie ihren Meister finden, denn nicht umsonst heißt diese seltsame Narretei von einen Film „Pandora und der fliegende Holländer“ – echt jetzt?

Gedreht wurde die britische Produktion aus dem Jahr 1951 von dem US-Amerikaner Albert Lewin an der katalanischen Costa Brava, wo das beliebte Seebad Tossa de Mar vorgab, ein idyllisches Fischerdörfchen namens Esperanza zu sein. Hinter der Kamera Technicolor-Zauberer Jack Cardiff, der unter anderem „Black Narcissus“ (1947) und „The Red Shoes“ (1948) von Michael Powell und Emeric Pressburger ihren betörenden Schimmer verliehen hatte. Vor der Kamera in den Titelrollen Ava Gardner, ein eben erst erstrahlter Stern an Hollywoods Himmel, und James Mason, der an ihrer Seite den Beginn seiner internationalen Karriere feiert. Mason brütet geheimnisvoll, während Gardner heißkalt schmachtet, Cardiffs Lichtsetzung bringt die Luft zum flirren und Lewins Drehbuch die Verhältnisse zum Tanzen.

Es begab sich nämlich zu jener Zeit, dass Hendrik van der Zee alias der fliegende Holländer mit seiner Jacht in der Bucht vor Esperanza vor Anker geht und die Neugier der unsteten Pandora weckt. Die Anziehung zwischen beiden ist so gewaltig wie sofortig, und allerhand melodramatische Verwicklungen sind die logische Folge, hat Pandora doch noch zwei weitere Alphamänner im Schlepptau, die ihretwegen dumme Dinge tun. Zum einen Rennfahrer Stephen Cameron, der sein phallisches Geschoss über die Klippe ins Meer stürzt, um der Angebeteten seine Liebe zu beweisen. Zum anderen Stierkämpfer Montalvo, der, als auch sein Werben vergebens bleibt, zu deutlich drastischeren Maßnahmen greift … für die er drastisch büßen wird.

Wie gesagt, es handelt sich bei „Pandora und der fliegende Holländer“ um ein Melodram, weshalb ein glücklicher Ausgang nicht sehr wahrscheinlich ist. Der Weg dorthin jedoch kann verzücken: mit einer Party am Strand, die aussieht, als wäre sie einem Gemälde von Giorgio de Chirico entsprungen; mit Gardners spektakulärer, vielfach wechselnder Garderobe; mit Masons präziser Diktion und seelenvollem Blick; mit dem ganzen aberwitzigen, sich nichts scherenden Erfindungsreichtum, mit dem dieses filmische Einhorn auf die Leinwand platzt und sagt: Ich bin.

Pandora und der fliegende Holländer (GB 1951). Regie: Albert Lewin, Pidax Film, ca. 7 Euro