"Hier sieht’s aus wie bei ‚Hangover'", warnt die Braut Pia den Hobbykameramann Daniel, den Filmer ihres Hochzeitsvideos. Auch im Trailer zu Sönke Wortmanns Komödie „Das Hochzeitsvideo“ wurde das Versprechen aufgenommen, doch leider war da eher der Wunsch Vater des Gedankens. Zwar geht einiges drunter und drüber bei diesem Pseudo-Amateurfilm-Dokument der Vermählung einer lebensfrohen Pop-Promoterin mit einem etwas zu gut erzogenen Sohn reicher Eltern. Doch es ist nicht die Art von herrlichem Chaos, aus der die amerikanischen Erfolgskomödie gestrickt ist. Denn so etwas kann nur anzetteln, wer vorher ein ordentliches Drehbuch schreibt, wo jede absurde Wendung vom Zuschauer unbemerkt die nächste vorbereitet. In Deutschland indes, wo die Fördergelder für bestimmte Filmemacher wie von selber fließen, geht manches Buch ungeschliffen in die Produktion.

Diesmal musste alles ganz besonders schnell gehen. Es schien, als fürchtete man bei Constantin, die nicht wirklich originelle Idee könnte noch gestohlen werden. Das von Gernot Gricksch („Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“) verfasste Drehbuch wurde unter dem rätselhaften Titel „Keep the Fire Burning“ bei den Förderungsgremien eingereicht; als Regisseur firmierte ein ominöser Peter Hansen, obwohl man in der Branche längst wusste, dass sich dahinter Sönke Wortmann verbarg. Das Konzept: Alles sollte aussehen wie in jenen oft erfolgreichen Hollywood-Filmen im Amateur-Video-Look, die unter der Genre-Bezeichnung „found footage“ bekannt wurden.

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