Berlin - Zehn Millionen US-Dollar beträgt die Kaution, die der ehemalige McKinsey-Chef und Verwaltungsrat von Goldman Sachs Rajat Gupta gerade hinterlegt hat, um seiner Inhaftierung vorerst zu entgehen. Ein Bruchteil der Geldmengen, die er sich und seinen Freunden durch den Handel mit Insiderinformationen mutmaßlich eingespielt hat. Pech für Gupta und seine Kollegen, dass seit dem Finanzcrash die Sympathien für derartige Karrieren gründlich aufgebraucht sind. In den USA werden mittlerweile nicht nur hohe Haftstrafen gegen kriminelle Hedge-Fonds-Manager, Investmentbanker und Zocker aller Art verhängt, in jedem zweiten Hollywoodfilm stehen die einstigen Stars der Wall Street (wohl zu Recht) als egomane und mitleidlose Super-Arschlöcher am Pranger.

Die Personifizierung des existenzvernichtenden Finanzmarktwahnsinns bietet sich dabei vor allem im Spielfilm natürlich an: Bis heute ist es nicht recht gelungen, die oft kaum verstehbare Manipulation virtueller Milliardenvermögen auf filmisch anschauliche Art und Weise darzustellen. In „Aushilfsgangster“ ist es also Alan Alda, der dem genuin Bösen und Gemeinen ein vertrautes Antlitz gibt. Als Mr. Shaw residiert er im Penthouse des „Tower Heist“, einem Wolkenkratzer mit Luxusappartements, welches man sich als eine moderne Version des Hauses vom Eaton Place vorstellen kann. In den Eingeweiden des Hauses sorgt der Manager Josh Kovacs mit einer Heerschar von Portiers, Zimmermädchen, Sicherheitsleuten und Liftboys für den unauffällig perfekten Service, damit es den Mietern der vollverglasten Zimmerfluchten an nichts fehlen möge. Das Oben und Unten ist also vortrefflich geregelt, bis Shaw wegen Insiderhandels verhaftet wird, aber gegen eine Kaution von zehn Millionen US-Dollar vorerst auf freiem Fuß bleibt… Wie sich herausstellt, hat der Finanzjongleur auch die Pensionskasse der Tower-Heist-Bediensteten veruntreut. Die Geprellten beschließen, sich das Geld auf eigene Faust zurückzuerobern.

Sympathisch, aber nicht originell

Wenn Ben Stiller als Rächer der Armen und Waisen und Eddie Murphy als Kleinganove einen ziemlich bekloppten Coup planen, sind die Pannen natürlich vorprogrammiert. Anders, als im richtigen Leben, werden die Kleinstanleger aber dennoch erfolgreich sein. Das ist ohne Frage ausgesprochen sympathisch, über weite Strecken aber nicht sonderlich glaubhaft oder originell. Seine einfache Wahrheit qualifiziert „Aushilfsgangster“ eindeutig als (Vor-)Weihnachtsfilm. Eine wahre Freude ist es dagegen, der ukrainischstämmigen New Yorkerin Nina Arianda in ihrer Mini-Rolle als ehrgeizige osteuropäische Aufsteigerin zuzusehen. Wie sie vom Dienstmädchen zur knallhart auftretenden Anwältin mutiert, sorgt für einen kurzen Moment der Ambivalenz und Wahrhaftigkeit.

Aushilfsgangster (Tower Heist) USA 2011. Regie: Brett Ratner, Darsteller: Ben Stiller, Eddie Murphy, Alan Alda, Casey Affleck, Téa Leoni u.a. 100 Minuten in Farbe.