Am besten bringt sich die Action-Komödie „Ghostbusters“ selbst auf den Punkt: In einer New Yorker U-Bahn-Station spukt es. Ein bläulich schimmernder Geist schwirrt im Tunnel umher und zwingt die Geisterjägerinnen so zu ihrem ersten Einsatz. Mit allerlei Laserschießgeräten bewaffnet, stellen sich die vier furchtlosen Damen dem Flatterdämon: Sie richten ihre Gespensterknarren auf ihn und drücken mit todesmutiger Miene ab. Aber dem Laserstrahl, der zunächst gewaltig aus der Waffe schießt, geht kurz darauf der Saft aus – er verjüngt sich dramatisch und funkt schließlich in einem kümmerlichen Bogen auf das Gleisbett.

Der Film „Ghostbusters“, der in China keinen Kinostart haben darf, weil er aus Sicht der staatlichen Zensurbehörde den Aberglauben fördert, ist das Remake des gleichnamigen Kinohits von 1984. Und als solches kommt es ganz schön rebellisch daher. Denn die Schwabbelmonster spucken hier nicht nur ihr grünes Ekelgelee in die dritte Bilddimension – auch die Geschlechter haben untereinander die Rollen getauscht. Die vier männlichen Geisterjäger von damals sind nun durch vier Frauen ersetzt; die Empfangsdame im Büro der Ghostbusters wurde hingegen durch einen Mann abgelöst – und was für einen: Chris Hemsworth spielt diesen Telefonisten, der zum Telefonieren zwar zu blöd ist, dafür aber verblüffend gut tanzen kann.

Was sich hier allerdings so gender-klamaukig und keck zu verstehen geben will, trifft – wie der Laserstrahl – dann leider ganz und gar nicht ins Schwarze. Weil es bei Erin (Kristen Wiig), Abby (Melissa McCarthy) und Jillian (Kate McKinnon) vor allem angesichts der präpubertären Frauenfeindlichkeit männlicher Universitätsdirektoren nicht so gut läuft mit der Wissenschaftskarriere und weil sich Patty (Leslie Jones) im Kassenhäuschen einer U-Bahn-Station die Nägel von den Fingern langweilt, wird es für die „Geister-Uschis“ – so nennen sie sich selbst – höchste Zeit, unabhängig zu werden und den hilflos heimgesuchten New Yorkern Kammerjägerdienste der ganz besonderen Art anzubieten. Zum altbekannten und hier mit etwas mehr Pop aufgemotzten „Ghostbusters“-Song springen die Damen in ihren Einsatzwagen, kurven quietschend durch die Metropole und lasern im Auftrag der verängstigten Bürger die lästig frechen Ektoplasma-Wiedergänger kaputt.

Der Regisseur Paul Feig paust damit abweichungsfrei die Prämisse des Originalfilms durch. Das ist ebenso wenig kreativ wie kritikwürdig – nur geht Feig offenbar davon aus, dass ein solches Vorgehen per se schon einen urkomischen Effekt zeitigt. Als gäbe es mit der wild zwinkernden Neuauflage einer 30 Jahre alten Kultkomödie schon genug zu lachen, macht sich „Ghostbusters“ tatsächlich noch nicht einmal die Mühe, seine ohnehin schon schwachen Schenkelklopfer wenigstes richtig in Szene zu setzen. Einmal müssen die Damen bei einem Heavy-Metal-Konzert anrücken; sie stürmen die Bühne, jagen den aufdringlichen Monstern hinterher, kreischen und johlen, wie sie es immer tun, und lassen sich von der jubelnden Menge feiern. Eine exemplarische Blindgängerszene. Ebenso wie Patty nach einem misslungenen Stagedive mit voller Wucht auf den Boden donnert, fällt diese Szene in sich zusammen. Lieblos inszeniert, gefüttert mit ein paar infantilen Drehbuchzeilen. Dabei wäre allerhand da gewesen: ein historischer Konzertsaal, ein stampfender Rhythmus, eine tobende Masse und sogar Ozzy Osbourne mit einem Gastauftritt!

Unterm Strich erinnert dieser neuaufgelegte Film am Ende mehr an die exaltierten Bibi-Blocksberg-Abenteuer als an den Trash-Humor des Originalfilms. Die Frage, ob der Kinohit von 1984 überhaupt ein Remake verdient, könnte man ohnehin diskutieren. Diese zweistündige Hysterie, dieses pausenlose Gegacker, schrill und penetrant, als hätten die Protagonistinnen zu viel Koffein erwischt, ist jedenfalls weit von gelingender Komik entfernt.

Die deutsche Synchronisation ist dabei einmal mehr für übelste Mittäterschaft verantwortlich zu machen. Ein Film, der sich anfühlt, als wäre man mit diesen Cola-rauschigen Ghostbusters in ein Zimmer gesperrt worden und selbst nüchtern geblieben.