Berlin - Die "große Liebe" ist gar nicht so selten, wird aber gern verschwiegen, notfalls ein Leben lang. Eine Liebe, die einseitig ausfällt, ist nun mal eine dumme Liebe, und niemand weiß das besser als Emma, die fast zwanzig Jahre auf ihren Dexter wartet und tapfer bereit steht, als der alle anderen ausprobiert hat. Emma, die Intellektuelle, weiß alles. Das macht sie unglücklich. Dexter, der charmante Dummkopf, genießt den Moment, seine "gute Freundin" und das in mehrfacher Lektüre von "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" angelesene Gefühl romantischer Erhabenheit. Der Schriftsteller David Nicholls hat diese furchtbar banale Geschichte, eine Art "Harry und Sally" der Neunziger, so bitter-komisch und überhaupt brillant beschrieben, dass die britische Literaturkritik von den Socken war.

Kunstvolle Rekapitulation

Das größte Problem der Verfilmung hat sich der Drehbuchautor Nicholls gleich selbst bereitet: "Zwei an einem Tag" erzählt die Geschichte von Emma und Dexter über zwanzig Jahre, aber immer nur an einem Tag. An jedem 15. Juli wird kunstvoll rekapituliert, wie es den beiden zuletzt ergangen ist - seit einem Lied von Billy Bragg ist der "St. Swithin’s Day" der Tag der unglücklich Liebenden, aber zwischen Film und Buch taugt dieser literarische Trick als Scheidungsgrund.

Stattdessen geht es also los, in einem zerwühlten Studentenbett anno 1988, nach dem fatalen One-Night-Stand, Emma im Anti-Atom-Shirt, Dexter mit Siegerlächeln. Sie strandet erst mal als Kellnerin im Tex-Mex-Imbiss, begnügt sich mit dem rührend unlustigen Stand-Up-Komiker Ian, schafft es doch noch zur Kinderbuchautorin. Er wird Moderator im Musik-TV, schläft mit den Reichen und Schönen. Das eine ist ein Aufstieg, das andere ein Abstieg. Von Dexter, Sohn aus gutem Hause, wurde einmal mehr erwartet. Sehr britische Klassengegensätze spielen hier eine Rolle, durcheinandergewirbelt und neu justiert in der fiebrigen Phase von New Labour, Tony Blair und Britpop. Doch jenes "Cool Britannia", das Nicholls unter völligem Verzicht auf solch peinliche Schlagworte evozieren konnte, bleibt merkwürdig unsichtbar.