Berlin - Weihnachtszeit ist immer auch Weihnachtsfilmschmonzettenzeit. Dafür läuft die Produktion auch in Hollywood auf Hochtouren. Unglaublich, welche Machwerke dort das Fließband verließen: „A Cinderella Christmas“, „Looks Like Christmas“, „Santa’s Bootcamp“, „Girlfriends of Christmas“, „Firehouse Christmas“, „A Dream of Christmas“, „A Christmas to Remember“ und so weiter und so fort. Zum Glück finden nur die wenigsten dieser cineastischen Preziosen ihren Weg in unsere Kinos. Aber wenn es dann eine geschafft hat, stellt sich umso mehr die Frage nach dem Warum. Warum also müssen wir „Office Christmas Party“ unbedingt sehen? Würden wir etwas verpassen, wenn wir dafür nicht ins Kino gingen?

Rauschhafte Bekehrung

Zu einem Weihnachtsfilm gehört in der Regel das gefühlige Besinnlichkeits- und Bekehrungsgedöns. Das ist auch bei „Office Christmas Party“ der Fall, der Büroweihnachtsfeier: Pünktlich zum Frohen Fest will die knallharte und eiskalte Geschäftsfrau Carol Vanstone (Jennifer Aniston) eine wenig lukrative Filiale ihres IT-Konzerns schließen und also alle Angestellten auf die Straße werfen, inklusive des eigenen Bruders, der in ihren Augen als Geschäftsführer kläglich versagt hat; Clay Vanstone aber (T.J. Miller) lässt sich von seiner Schwester nicht beirren und plant eine Riesenweihnachtssause, mit der er einen Kunden so beeindrucken will, dass der mit einem Millionen-Dollar-schweren Auftrag die Firma vor dem drohenden Untergang rettet.

Für Jennifer Aniston ist das eine Paraderolle, denn als übellaunige, herrschsüchtige, rechthaberische, spiel- und spaßverderbende Superzicke, als ein alles und jeden niederwalzendes Hysteriebündel kann sie vollkommen überzeugen. Und als Zuschauer kann man daher nur bedauern, dass sie sich zum Schluss aus dieser Rolle verabschiedet und ihren gefühlig-besinnlichen, eben weihnachtlichen Frieden mit der Familie – dem zwar liebreizenden, aber tatsächlich etwas treudoofen und nervensägenden Bruder – macht. Nun gut, das war zu erwarten. Spannender ist, was zwischen Krieg und Frieden passiert, eben die titelgebende Büroweihnachtsfeier, die sich zu einer alle Moral und Hüllen fallen lassenden Drogen-Sex-Rausch-Party entwickelt.

Hier kann das Regie-Duo Josh Gordon und Will Speck („Die Eisprinzen“, 2007, „Umständlich verliebt“, 2010) seine ganze krachkomödiantische Erfahrung ausspielen: Das entfesselte Büropersonal säuft und kokst sich um den Verstand, beharkt sich mit größeren und kleineren Gemeinheiten und zerlegt zu guter Letzt das Büroinventar. Ein episches Zerstörungswerk, Angestellte nach Feierabend – außer Rand und Band. Der eigentlich geschäftliche Zweck der Veranstaltung tritt schnell in den Hintergrund. Stattdessen finden hier die unwahrscheinlichsten Paare zusammen, aus der Zerstörung wächst die Versöhnung: eine wahrhaft weihnachtliche Botschaft. Gorden und Speck sparen nicht mit tränentreibenden, rührseligen Kitsch- und Liebes-Einlagen.

Genitaler Partyspaß

Weniger rührselig, dafür aber handgreiflich ist so manches Detail, etwa wenn die feiernde Büroschaft, nachdem sie ihre nackten Hinterteile auf dem Kopierer massenvervielfältigt hat, den 3D-Drucker als neuen Partyspaß entdeckt: Hosen runter, Schwanz raus – fertig ist das männliche Genital in rotem Plastik. Apropos Genital: In seiner erigierten Gestalt ziert es eine mannsgroße Eisskulptur und dient als neckischer Trinkkanal für den alkoholdurstigen, nunmehr obszön saugenden Partygast. Und der dramatische Höhepunkt des Films, ein eigentlich genickbrechender, beim bloßen Zusehen schon schmerzender Sturz eines Feierwütigen, ist nichts für schwache Nerven; zum Glück verliert der Mann nur seine obere Zahnreihe. Obacht, der Film ist ab zwölf Jahren freigegeben!

Kurzum, so hart feiern nur Angestellte, die nichts mehr zu verlieren haben: in einer Humorklasse, die man nicht unbedingt goutieren muss. Bei „Office Christmas Party“ haben wir es mit einer solide inszenierten Jennifer-Aniston-Komödie zu tun; sie dominiert das Geschehen, neben ihr geraten Schauspieler wie T. J. Miller oder auch Jason Bateman zu grimmassierenden Knallchargen. Wer sich zu Weihnachten ausgedehnte Exkursionen ins Reich der Geschmacklosigkeiten wünscht, muss den Film sehen, unbedingt!

Office Christmas Party USA 2016, Regie: Josh Gordon und Will Speck, Darsteller: Jennifer Aniston, Olivia Munn, Jason Bateman, T. J. Miller, Jillian Bell, Courtney B. Vance, Kate McKinnon u.a., Farbe, 105 Minuten, FSK: ab 12.