Ein halbes Jahrhundert lang hat der Comic-Zeichner Charles M. Schulz zwischen 1950 und seinem Tod im Jahr 2000 seine riesige Fangemeinde mit einen Comic-Strip der „Peanuts“ beglückt. Die Serie um die Kinder eines ländlichen Kleinstadtvororts hat ihn zu einem reichen Mann gemacht und spielt seinen Erben bis heute hübsche Erträge ein. Dabei hat es ein paar Jahre gebraucht, bis Schulz seinen Stil fand und das uns bekannte, feste Personal der „Peanuts“ etabliert war.

Mit wenigen prägnanten Strichen entstanden seither die ästhetisch und charakterlich absolut unverwechselbaren Geworfenen. Denn wer die Strips kennt, weiß, dass die Welt von Charlie, Lucy, Linus, Schroeder, Sally, Marcie, Peppermint Patty und den anderen Kindern zwar überschaubar, aber keineswegs heil ist.

Sogar der selbstbewusste und verfressene Hund Snoopy ist in seiner futtermäßigen Abhängigkeit von dem „kleinen rundköpfigen Jungen“ (Snoopy über Charlie Brown) keineswegs so autonom, wie er zu sein vorgibt. Das ist umso tragischer, als es kein Entrinnen aus dieser Grundkonstellation gibt: Die Kinder sind in fünfzig Jahren nicht einen Tag älter geworden und wohl für immer in ihrem Vorort samt Grundschule gefangen. Dass es Charles M. Schulz gelungen ist, aus dieser desaströsen Situation feinen Humor zu schlagen, ist der Grund für die Beliebtheit der Peanuts – auch bei meinungsbildenden Kulturschaffenden.

Nun hatte Schulz verfügt, dass seine Figuren nach seinem Tod nicht weitergeführt werden dürfen. Ein Wunsch, der ihm nicht erfüllt wird, wie nun auch der Film „Die Peanuts“ beweist, dessen Drehbuch Sohn und Enkel von Charles M. Schulz verantworten. Der 3D-Animationsfilm vermengt dabei bekannte Motive aus den Strips zu einer neuen Geschichte.

Da ist der ewige Verlierer Charlie Brown, stets ausgenutzt von seiner kleinen Schwester Sally, der sich trotz seines geringen Selbstwertgefühls nicht aufgibt. Gecoacht und gedrängt von seinem Hund, versucht er wirklich alles, um bei seiner Angebeteten Eindruck zu machen. Aber nicht nur seine Drachenflüge werden regelmäßig vom drachenfressenden Baum beendet – auch seine Versuche, beim Ballspiel oder beim Tanzwettbewerb zu überzeugen, misslingen. Als Charlie Brown durch einen Irrtum Schul-Bester im Rechnen wird, ist es seine Antagonistin Lucy van Pelt, die ihm auf gewohnt gnadenlose Art diesen Erfolg nicht zutraut.

Seine Sitzungen an ihrem Psychiatriestand sind denn auch nicht gerade geeignet, zu positiver Selbsterkenntnis zu gelangen. Auch die philosophisch-theologischen Exkurse seines Freundes Linus van Pelt, der sich mit seiner Schmusedecke (im englischen Original: safety blanket) vor den Gefahren des Seins zu schützen versucht, sind eher melancholischer Natur. An Schroeder prallt nicht nur Lucys Liebeswerben, sondern ohnehin alles ab, was nicht mit Beethoven zu tun hat.

Plastilin-Optik nur schwer zu ertragen

So weit hält sich der Film inhaltlich eng an die Vorlage. Doch das lakonische-heitere Scheitern und die masochistischen Liebesverhältnisse schreien kaum nach einer 3D-Inszenierung – zumal sich Schulz immer auf die Mimik und Körperhaltung seiner Figuren fokussiert und Hintergründe nur sparsam gezeichnet hat. Für Action und satte Farben ist deshalb in einer Parallelhandlung Snoopy als Flieger-Ass zu bewundern: Er folgt seinem Erzfeind, dem Roten Baron, durch spektakuläre Landschaften. Der Beagle sorgt mit viel Slapstick für unbeschwerte Heiterkeit.

Schwer zu ertragen ist aber die wie Plastilin wirkende Oberfläche der 3D-animierten Figuren. Alle skizzenhafte Lebendigkeit ist ihnen ausgetrieben; sie sehen wie schlecht gelungene Merchandising-Produkte ihrer selbst aus. Auch der Versuch, die Starrheit etwa mit vom Kopf unabhängig agierenden Augenbrauen aufzubrechen, misslingt. Die Figuren wirken dadurch dissoziiert und „unreal“. Gerade kindlichen Peanuts-Neueinsteigern wäre eine wärmere und lebendigere Form der Inszenierung zu wünschen gewesen.

Die Peanuts (The Peanuts Movie) USA 2015. Regie: Steve Martino, Drehbuch: Bryan & Craig Schulz. 89 Minuten, Farbe.