Szene aus Ashfall.
Foto:: Cho Wonjin

BerlinIn ihrem Film „Ashfall“ (2019) spielen die beiden südkoreanischen Regisseure Lee Hae-jun und Kim Byung-seo mit dem Feuer. Und das sowohl im direkten als auch im übertragenen Sinne. Zu Beginn bricht Koreas höchster Vulkan, der Baekdusan, unweit der Grenze zwischen Nordkorea und China aus. Das hat in beiden koreanischen Staaten schwere Erdbeben zur Folge. Seismologen warnen, dass dies nur die Ouvertüre zu einer viel größeren Katastrophe sein könnte. Würde es tatsächlich zur Supereruption kommen, läge die Halbinsel in Schutt und Asche.

Die existenzielle Bedrohung mündet, wie im Genre des Katastrophenfilms üblich, in eine Heldengeschichte. Dabei bietet „Ashfall“ keine Figuren von der Stange. Der Seismologe Kang Bong-rae zum Beispiel verbirgt gern seine koreanische Herkunft, will lieber Amerikaner sein und nennt sich deshalb Robert: ein dicklicher, drolliger Mann, der oft an den Tücken des Alltags scheitert, auf seinem Fachgebiet aber ein Genie ist. Er schlägt vor, in den Minen unterhalb des Vulkans Atomsprengköpfe zu zünden, um den Druck durch das Magma zu minimieren.

Die Atomsprengköpfe, und da wird der Film im übertragenen Sinne brenzlig, sollen von nordkoreanischen Raketen abgeschraubt werden. Und zwar ohne das Wissen des Nordens. Zwar steht die Denuklearisierung des Kim-Reichs dank diplomatischer Verhandlungen kurz vor dem Abschluss, und die letzten sechs Raketen sollen alsbald an die USA übergeben werden. Doch nun muss das Uran anderen Zwecken dienen.

Also starten die Südkoreaner eine geheime Mission, schleusen ein Expertenteam in den Norden ein und versichern sich hier eines Agenten, der sich irgendwann auch als Doppelagent für die Chinesen herausstellt. Der Sprengstoffexperte aus Seoul möchte die Welt retten, weil seine Frau bald ein Kind bekommt: Dank seines Edelmuts sollen sie vor der Naturkatastrophe beschützt werden. Auch der Doppelagent hat eine Familie, die er liebt.

Das alles klingt dramaturgisch kompliziert, ist es aber nicht. Der Film menschelt, wenn nicht gerade Action angesagt ist, auf perfekte Weise vor sich hin, drückt auf Tränendrüsen und lässt das Puls höher schlagen, je nachdem.

Politisch wirkt „Ashfall“, sagen wir, naiv. Südkoreanische Männer finden noch aus jeder Zwangslage wieder ans Licht. Die illegale Überschreitung der Grenze dient dem höheren Zweck, das gesamte Volk zu retten, ganz gleich ob kommunistisch oder kapitalistisch. Und am Ende finden sich Süd und Nord beim gemeinsamen Wiederaufbau. Man könnte den Film fahrlässig nennen. Vielleicht ist er aber auch eine schöne Utopie, gerade in Zeiten, in denen die einen davon träumen, Propaganda-Flugblätter mit Coronaviren zu tränken, und die anderen friedliche Verbindungsbüros zwischen beiden Staaten in die Luft sprengen.

Ashfall, Südkorea 2019, Regie: Kim Byung-seo und Lee Hae-jun, 128 Min., Anbieter: Capelight, 19,79 Euro (Blu-ray)