Das Leben des Brian.
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Berlin„Das Repertoire ist tot!“, hieß es noch vor kurzem. Filme zu zeigen, die älter als ein paar Monate waren, galt als töricht. Bestenfalls Festivals oder kommunale Kinos leisteten sich den Blick über den Tellerrand. Doch jetzt laufen auf mehreren Open-Air-Bühnen filmhistorische Werke. 

Geradezu antizyklisch ist dabei der Filmrauschpalast in Moabit. Hier werden die Ausgrabungen noch analog gezeigt, also vom guten alten 35mm-Projektor, wie schon vor 125 Jahren. Dabei wird auf Filme zurückgegriffen, die nicht zum bildungsbürgerlichen Kanon gehören. Mit „Der Gendarm von Saint Tropez“ wurde 1964 die Karriere von Louis de Funès eingeläutet. Es folgten weitere fünf Kapitel, die sich in West- wie Ostdeutschland großer Beliebtheit erfreuten.

Im ersten Teil ist die Versetzung des Dorfpolizisten Cruchot aus der Provinz an die Côte d’Azur zu erleben. Hier führt sein Diensteifer zu den absurdesten Verwicklungen; vor allem bei der Jagd auf illegale Nudisten. Allerdings schlägt seine hübsche Tochter Nicole aus der Art; sie schämt sich für den Vater und schließt sich den Hedonisten an.

Wenige Tage später läuft in Moabit die israelische Teenie-Komödie „Eis am Stil“ (1978), die zum Startschuss für mehrere Folgekapitel wurde. Geschildert werden die Erlebnisse von drei Heranwachsenden in Tel Aviv, die sich fast ausschließlich um erotische Abenteuer ranken. Für die Produzenten Yoram Globus und Menahem Golan führte der immense Erfolg zur Gründung ihrer Firma Cannon Films, die später eine Menge Trash-Produktionen in die Welt setzte, aber auch Andrej Kontschalowskis Eisenbahn-Thriller „Runaway Train“ (1985).

Auf der Freilichtbühne Weißensee wird ein viel ernsterer Grundton angestimmt. Neben einigen aktuellen Spielfilmen laufen hier vor allem Defa-Produktionen. Deren anspruchsvollste ist Frank Beyers 1982 gedrehtes Nachkriegsdrama „Der Aufenthalt“ mit Sylvester Groth als deutschem Kriegsgefangenen, taumelnd zwischen Schuld, Unschuld, Ignoranz und Erkenntnis.

Auch im Freiluftkino Friedrichshain wird inzwischen zwar nur noch digital projiziert, mit „Das Leben des Brian“ (1979) aber auf einen der Hits der einstigen Off-Kinoszene zurückgegriffen. Am Ende dieser etwas anderen Passionsgeschichte fordert der am Kreuz hängende Titelheld in einem Gassenhauer dazu auf, immer nach den positiven Seiten des Lebens zu streben. Always Look on the Bright Side of Life! Dieses Motto möge den Betreibern aller Freiluftkinos mit auf den Weg gegeben werden.

„Das Leben des Brian“, Freiluftkino Friedrichshain, 23. Juli um 21.30 Uhr

„Der Aufenthalt“, Freilichtbühne Weißensee, 30. Juli um 21.30 Uhr

„Der Gendarm von Saint Tropez“, Open-Air-Filmrauschpalast, 31. Juli um 21 Uhr

„Eis am Stil“, Open-Air-Filmrauschpalast, 1. August um 21 Uhr