Florian Illies, Geschäftsführender Verleger des Rowohlt Verlags.
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BerlinWir erinnern uns: Im August 2018 wurde Barbara Laugwitz als verlegerische Geschäftsführerin des Rowohlt Verlags nach vier Jahren mit sichtbaren Erfolgen abberufen. Die Personalie zog viel Aufmerksamkeit auf sich, da sich prominente Autoren wie Elfriede Jelinek, Siri Hustvedt, Daniel Kehlmann, Jonathan Franzen und Eckart von Hirschhausen dagegen positionierten. Öffentlich diskutieren Journalisten und Autoren die Vorgehensweise des Konzerns, es ging um den Umgang mit Laugwitz, denn von Holtzbrinck-Seite war von „unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten“ die Rede.

Der Platz an der Verlagsspitze war damals freigeräumt worden für Florian Illies, der bekannt geworden war als Journalist der „Berliner Seiten“ der FAZ, der ein Bestsellerautor wurde mit der „Generation Golf“ (2000) und „1913“ (2012), der die Zeitschrift Monopol gegründet und das Auktionshaus Villa Grisebach geleitet hatte.

Er möchte wieder schreiben

„Ich will bei Rowohlt die Bücher verlegen, von denen die Menschen träumen", sagte Illies Ende August 2018 gegenüber dem Spiegel. Von den Träumen der Leser verabschiedet er sich nun wieder. Am Freitagnachmittag verschickte die Rowohlt-Presseabteilung aus Hamburg die Meldung, der Verleger scheide aus eigenem Wunsch aus. Termin und Nachfolgeregelung würden „zu gegebener Zeit“ bekannt gegeben. Er habe sich entschieden, einen anderen Weg zu gehen und sich dem Schreiben zu widmen, wird Florian Illies zitiert: „Tief beeindruckt von der großen Kompetenz und der Liebe der Rowohltianer zu ihrem Verlag, nachhaltig erfüllt von all den Begegnungen mit seinen Autorinnen und Autoren, verlasse ich Rowohlt aus persönlichen Gründen und mit einem weinenden Auge.“

Stefan Holtzbrinck, Chef und Inhaber der  Holtzbrinck Publishing Group bedauert in der Mitteilung die Entscheidung, freue sich aber auf die „Fortsetzung seiner Arbeit als Buchautor der Verlagsgruppe“. Was wäre gewesen, wenn Barbara Laugwitz Verlegerin geblieben wäre? Dann wäre sie jetzt nicht die Chefin des Ullstein-Verlags in Berlin, wo sie im März 2019 antrat. Dann würde dort vermutlich noch Gunnar Cynybulk als verlegerischer Geschäftsführer arbeiten, der im Mai 2019 Ullstein verließ. Dann gäbe es jetzt den Claassen Verlag nicht wieder, den Laugwitz gerade mit zwei starken Titel neues Leben eingehaucht hat. Die Verlagsbranche ist in heftiger Bewegung.

Die Branche in Zeiten der Veränderung

Mag Florian Illies wirklich erkannt haben, dass ihm das Schreiben mehr liege, als das Leiten eines Verlages, der Vorgang steht auch für die Branche selbst. Die Ansprüche an einen Verlagschef sind in diesen Zeiten der digitalen Transformation schneller gewachsen, als sich treue Bücherleser das vorstellen können. Auf den Buchmessen in London und Leipzig im März wird das kein Skandal sein, aber mit Sicherheit ein Gesprächsthema.